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Samstag, 30. November 2013

Sylvia Roth - Ein Jahr in Lissabon

Klappentext:
Sie hatte sich rettungslos verliebt: In die Schiffshupen, die vom Tejo herauf tönten, das Surren der Kaffeemaschinen, das aus den Pastelarias drang, in die Frau, die in einem Holzkistchen ihren Kanarienvogel spazieren führte, den Schuhputzer, der sein Werkzeug ordnete und in die beiden alten Herren, die auf einer Parkbank ihr Nickerchen hielten. Sie war Hals über Kopf verschossen in die Poesie dieser Stadt - und musste einfach bleiben. Für länger. Für ein ganzes Jahr.

Verlag: Herder | Seiten: 192 | Preis: 12,99€ | Genre: Biographie, Reisen, Sachbuch | Spielt in: Portugal, Lissabon | Erscheinungsdatum: September 2013 | ISBN: 978-3451064838

Erster Satz:
"Ich hatte viel Sorgfalt darauf verwendet, meine Koffer zu packen."



Worum gehts:
Sylvia Roth hat ein Kunststipendium bekommen, und darf nun ein Jahr in der Stadt verbringen, in die sie sich Hals über Kopf bei ihrem ersten Besuch verliebt hat: Lissabon. Die portugiesische Hauptstadt, mit ihrer gelben Straßenbahn, den vielen alten Häusern und kleinen Gassen besitzt ihren ganz eigenen Charme und bezaubert von Anfang an. Sie wohnt in einer Gastfamilie, arbeitet in einer tollen Galerie und lernt die Sprache in Windeseile. Für Sylvia Roth ein durch und durch gelungenes Jahr.

Meine Meinung:
Leider muss ich sagen, dass dieses Buch nicht unbedingt zu meinen Favoriten aus der "Ein Jahr in..."- Reihe zählt, und um ehrlich zu sein kann ich nicht einmal benennen wieso. Geht man von meinen "klassischen Kriterien" aus, ist nichts dabei was mich wirklich stört: Der Schreibstil und der Lesefluss sind gut, bringen einem Lissabon gewiss auch näher und auch an dem einen oder anderen Geheimtipp für Lissabonreisende mangelt es nicht, und dennoch hat die Autorin es auf diesen 190 Seiten nicht geschafft, mich zu einem Besuch zu animieren. Zwar liest man aus jeder Seite ihre Begeisterung für die Stadt heraus, lernt unbekannte Ecken und Eigenheiten der Portugiesen kennen und trifft herrlich eigene Persönlichkeiten, und trotzdem kam bei mir kein Interesse auf. Mir fehlt die Begründung, warum ich denn nun dorthin gehen sollte.
Außerdem beginnt ab einem gewissen Punkt es mich ein wenig anzustrengend, dass Sylvia Roth mit ihrem über die Monate größer werdenen portugiesisch Wortschatz auch immer mehr davon auzugehen scheint, dass wir Leser dies mit dem Lesen ihres Buches auch können. Zunehmend wird auf Übersetzungen verzichtet, was mir den Spaß an ihren Unterhaltungen mit anderen genommen hat. Klar, es sind immer nur einzelne Sätze, und trotzdem hätte ich gerne gewusst was sie sagt.
Und auch, dass es zum Großteil nur im Kunst und Kultur geht, konnte mich nicht überzeugen. Ich möchte auch Sehenswürdigkeiten, Ausgehtipps, Auflüge oder Alltägliches.
Alles in allem war es kein schlechtes Buch, definitiv nicht, aber bisher eines der schwächsten die ich aus der Reihe gelesen habe.



Anne Funk - Ein Jahr auf Ibiza

Klappentext:
Anne Funk beginnt eine verhängnisvolle Affäre. Wie man in Sachen Liebe Schluss macht, eine Freundschaft beendet, von falschen Idealen ablässt- das alles hatte sie bis dato in ihrer Lebenskarriere gelernt. Aber so kurz vor der 30 will sie von einem anderen Alltag kosten. Ein Jahr auf Ibiza- quasi als Tapas, die ihr wieder Appetit auf das Menü ihres Lebens machen sollen.

Verlag: Herder | Preis: 12,99€ | Seiten: 192 | Genre: Biographie, Reisen, Sachbuch | Spielt in: Spanien, Balearen, Ibiza | Erscheinungstermin: September 2013 | ISBN: 978-3451062360

Erster Satz:
"Anne Funk macht Tabula Rasa!"


Worum geht es:
Anne Funk hat einen Plan: Noch einmal rauskommen, etwas neues machen, das Gefühl von Freiheit spüren und das alles bevor sie 30 wird. Also entschließt sie sich ein ganzes Jahr nach Ibiza zu ziehen, auf die Insel in die sie sich in vorherigen Urlauben unsterblich verliebt hat, und auf der sie tolle Bekannte hat, die ihr den Einstieg erleichtern möchten. Doch ungünstigerweise verlor sie ihr Herz in der Vergangenheit nicht nur an Ibiza, sondern auch an einen Mann nur wenige Wochen vor ihrem Umzug.
Auf der Insel angekommen, kommt sie bei einem älteren Ehepaar unter, in derem Yoga- Hotel sie mithilft und lernt schnell wie schön aber auch wie schwierig das Leben in der Ferne, weit weg von den Liebsten sein kann..

Meine Meinung:
Überraschenderweise war dieses Buch aus der "Ein Jahr in..." - Reihe bisher eines der schönsten Bücher für mich. Ich habe das Lesen jetzt eine ganze Weile vor mir hergeschoben, denn Ibiza war noch nie eine Insel die mich sonderlich interessiert hätte, oder die mich für einen Urlaub gereizt hätte. Ich hatte einfach immer nur die betrunkenen Möchtegern- Stars und Sternchen und das partywütige "Fußvolk" vor Augen, und somit hielt sich mein Bestreben, die Insel selbst zu entdecken eher in Grenzen. 
Außerdem haben wir November, also temperatur- und jahreszeitentechnisch auch nicht die Zeit, in der ich Bücher von warmen Mittelmeerinseln lese - und dennoch, trotz all dieser Vorbehalte hat mir das Buch unglaublich gut gefallen.
Das liegt mit ganz großer Sicherheit an dem tollen Schreibstil von Anne Funk, der einem gar nichts anderes übrig lässt als sofort die ganze Insel entdecken zu wollen, und einem die Insel sehr nah bringt. Der Schreibstil ist locker, lustig und gleichzeitig überraschend spannend für so ein Sachbuch. 
Besonders gefallen hat mir aber, wie es der Autorin gelingt "Reisetipps", sehenswerte Orte und Gelegenheiten und ihr Privatleben zu verknüpfen. Zu keinem Zeitpunkt war ich genervt von ihrer Liebesgeschichte zu ihrem deutschen Freund oder eben ihrer Liebesgeschichte zu der Insel. Beides ging fließend ineinander über und hat das Buch zu einem richtigen Highlight der Reihe gemacht. Und macht Lust darauf jetzt Ibiza doch mal eine Chance zu geben.



Dienstag, 3. September 2013

[Rezension] Anna Regeniter - Ein Jahr in London

Klappentext:
Ein Lebenstraum: Mit Anfang 30 zieht Anna Regeniter in die schillernde Hauptstadt Großbritanniens. Selbstironisch und mit viel Humor erzählt sie vom Aufeinanderprallen ihrer Londonträume mit der Realität.

Verlag: Herder | Seiten: 192 | Preis: 12,99€ | Genre: Biographie, Reisen, Sachbuch | Spielt in: Großbritannien, London | Erscheinungstermin: März 2007 | ISBN: 978-3451057410

Erster Satz: 
"Die Frau mit den langen, roten Locken an der Hotelrezeption spricht weder Englisch noch Deutsch."


Worum geht es:

Anna Regeniter erfüllt sich einen Lebenstraum, und zieht nach London - eine der teuersten Städte der Welt - um dort als Deutschlehrerin an einer Schule zu arbeiten. Doch schon von Anfang an merkt sie, dass das Leben hier etwas anders ist, als daheim: Schon die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig, denn selbst mit einem relativ guten Lehrergehalt ist es schwierig eine gute und bezahlbare Wohnung zu finden. Schließlich landet sie in Primrose Hill, einem schicken Künstlerviertel, in einem shared house, in dem sie nicht die einzige Nicht-Britin ist. Sie beginnt sich schnell einzuleben, mit den britischen Angewohnheiten und Merkwürdigkeiten umzuehen (wie zum Beispiel soll man sich die Haare waschen, wenn es nur einen kochenheiß- Wasserhahn und einen bitterkalt- Hahn gibt?) und zu schätzen, integriert sich gut und genießt ihr neues Leben in dieser Millionenmetropole. 

Meine Meinung:

Ach ja, die Briten sind schon ein herliches Völkchen - ob nun in London oder in Plymouth, manche Angewohnheiten sind eben nicht nur regional und haben mich sehr sehr oft in diesem Buch zum schmunzeln und zurückdenken gebracht. Das liegt nicht nur an den Eigenheiten der Engländer selbst, sondern auch daran dass Anna Regeniter einen unheimlich tollen Schreibstil, eine tolle Art zu Erzählen, hat die einen mitnimmt in dieses große, neue Abenteuer in ihrem Leben. Ich fand sie zudem unheimlich sympathisch, was mir immer sehr wichtig ist, und leider nicht in allen Büchern der Ein Jahr In... - Reihe der Fall ist.
Es ist natürlich kein Reiseführer, aber wenn man so etwas sucht, gibt es tausende auf dem Markt, die jede Sehenswürdigkeit Londons vorstellen und da so ziemlich jeder 2. wohl schon mal in London war, ist das auch überflüssig - so exotisch ist die Stadt ja dann doch nicht. Viel mehr lernt man "versteckte Ecken" kennen, von denen man vermutlich nicht einmal wusste wie schön sie sein können und bekommt Insider-Tipps, wie ein Besuch der Bonfire Night im November auf dem Primrose Hill oder etliche Pubs, in denen sie ihre Zeit verbringt. 
Generell geht es in diesem Buch also mehr um das Lebensgefühl von Anna Regeniter, um ihr ganz persönliches London, abseits von Big Ben, Tower Bridge und Souvenirläden. I like!  



Mittwoch, 24. Juli 2013

[Rezension] Julica Jungehülsing - Ein Jahr in Australien

Klappentext:
Von diesem Moment hatte ich geträumt, seit Monaten, wahrscheinlich seit Jahren. Ich griff mein Brett, zog die Tür hinter mir zu, steckte den Schlüssel in den Klettverschluss und lief die Treppe runter. Dann ging ich barfuß mit dem Board die Straße entlang zum Strand. Ganz normal. Wie alle anderen Menschen in Bondi Beach auch.

Verlag: Herder | Seiten: 190 | Preis: 12,95€ | Genre: Biographie, Reisen, Sachbuch | Spielt in: Australien, hauptsächlich Bondi Beach | Erscheinungsdatum: März 2007 | ISBN: 978-3451058189

Erster Satz:
"Was genau machte ich eigentlich hier?"


Worum geht es:
Julica Jungehülsing erfüllt sich ihren Traum, den sie seit einem Surferurlaub auf den Kanaren hegt: Sie will dort leben wo andere Urlaub machen, und wie selbst verständlich sich morgens ihr Surfbrett schnappen und zu Fuß die paar Meter, mit dem Brett unterm Arm, zum Strand laufen, um noch die ersten Wellen auskosten zu können. Da sie freiberufliche Journalistin ist, wagt sie den Schritt und geht nach Bondi Beach um dort ihr neues Leben auf der Sonnenseite zu starten.

Meine Meinung:
Oh, oh, oh, das Buch war leider wirklich mit Abstand das schlechteste Buch aus der "Ein Jahr in..." - Reihe das ich bisher gelesen habe. Der Titel des Buches ist auch irgendwie komplett falsch gewählt, denn anstatt das Buch "Ein Jahr in Australien" zu nennen, hätte man es lieber "Ein Jahr in Bondi Beach, mit kurzen Abstechern nach Sydney, aber eigentlich hat mich der Rest Australiens, abseits von meinem tollen Bondi Beach, nicht interessier" nennen sollen.  Es hat einfach so gut wie gar nichts mit dem großen Kontinent Australien zu tun, der so viel zu bieten hat und von dem sie so wenig sieht - wodurch wir als Leser natürlich auch nicht in den Genuss kommen, andere Ecken Australiens zu entdecken. 
Im Prinzip verbringt sie ihre Tage ausschließlich zwischen Beachbar und Meer, und lässt nicht selten unerwähnt wie uuuuuuuunheimlich cool sie jetzt ist, und wie uuuuuuuunheimlich nervig diese Touris an ihrem Strand sind.
Und auch von Sydney, obwohl in unmittelbarer Nähe, erleben wir nichts. Aha, gut wir wissen jetzt wie man in Australien Bus fährt, aber es gibt keine Tipps zu tollen Parks, Aktivitäten, kleine Geheimtipps. Nichts. 
Und auch die Wüste wird nur kurz, in weniger als 5 Seiten angerissen. Hat sie gemacht. Fertig - zurück an Strand.
Man erfährt nichts über andere Städte wie Perth oder Canberry, liest nichts über Tasmania oder das Great Barrier Reef. Nichts.

Alles in allem sollte man sich das Geld für dieses Buch absolut sparen, und sich vielleicht einen richtigen Reiseführer kaufen.


Montag, 8. Juli 2013

[Rezension] Dela Kienle - Ein Jahr in Rom

Klappentext:
Rom und die Römer zu verstehen ist keine leichte Aufgabe: Dela Kienle erzählt von Metro-Nahkampf und dem Wahnsinn der Bürokratie, italienischen Männern und römischen Hochzeiten, heißen Sommern und den Strandritualen der Römer in »Ostia Lido«. Zwölf Monate zwischen Kolosseum und Petersdom, haarsträubendem Verkehr und magischen Sommerabenden, charmant und selbstironisch geschrieben.

Verlag: Herder | Seiten: 192 | Preis: 12,95€ | Genre: Reisen, Sachbuch, Biographie | Spielt in: Italien, Rom | Erscheinungsdatum: Oktober 2009 | ISBN: 978-3451059940

Erster Satz:
"Es gibt nichts unerfreulicheres, als den Morgen in einer Zugtoilette zu beginnen - in einer dieser klaustrophobisch kleinen Kabinen der 'Ferrovie Italiane'."


Worum geht es:

Um ihre Magisterarbeit zu schreiben, beschließt Dela Kienle für 1 Jahr nach Rom zu ziehen, um sich auch vor Ort mit ihren Studien beschäftigen zu können. Allerdings ist es für sie kein Aufbruch in ein komplett fremdes Leben, denn dort warten bereits ihr Freund und einige Bekannte auf sie, die ihr den Start erleichtern und bei Anfangsprobleme zur Seite stehen. 
Gemeinsam mit ihnen entdeckt sie die ewige Stadt, stürzt sich in den Immobilienmarkt in dem nichts ohne Beziehungen geht, lernt die Stadt aus sämtliches Perspektiven kennen, schlägt sich durch den täglichen Metro-Dschungel und erfährt vor allem viel, viel italienisches Alltagsleben, das manchmal tatsächlich so klischeehaft ist, wie man sich das vorstellt. Vor allem aber ist ihr Leben von einer Sache geprägt: Essen.

Meine Meinung:

Ich liebe Rom! Von der ersten Minute an, als ich das erste Mal diese Stadt gesehen habe, war ich zutiefst beeindruckt und habe mich direkt mit der Stadt verbunden gefühlt. Sie hat ihr ganz eigenes, besonderes Ambiente das ich so noch nirgendwo erlebt habe. Seitdem plagt mich eigentlich das Fernweh und ich wollte mir durch dieses Buch Abhilfe schaffen: Und das hat es getan. Auf diesen 192 Seiten bin ich wieder so richtig tief in meine Urlaubserinnerungen an Rom eingetaucht, wurde mitgenommen an Plätze die ich mit eigenen Augen gesehen habe, habe mich in Situationen wiedergefunden die ich auch so erleben konnte und war einfach wieder mitten drin. Es ist irgendwie etwas ganz besonderes von einem Ort zu lesen, dessen Plätze mir noch so präsent sind.
Dennoch ist es schon ein eher außergewöhnliches Buch der Reihe - denn wer hier tolle Insidertipps erwartet oder sich erhofft dass die Autorin viel viel von der Stadt erzählt und uns ihr eigenes Bild davon präsentiert, wird enttäuscht werden. Zwar finden der Vatikan, Ostia, der Trevibrunnen oder die Villa Borghese hier und dort Einzug in das Buch, es geht aber - leider - vor allem um sie. Um ihre Erfahrungen mit ihrem Freund, mit der Katze ihrer Mitbewohner oder ihren "Schwiegereltern in spé". Sie erzählt viel privates, was mich persönlich nicht sonderlich interessiert hat, aber dennoch interessant geschrieben war und auch voller Anekdoten über das italienische Alltagsleben steckte. Man bekommt dafür viele Tipps was man kulinarisch ausprobieren sollte, und in welchen Restaurants man besonders italienisch speist.

Ich gebe dem Buch dennoch 5 Sterne, auch wenn ich der Meinung bin dass es einfach viel zu viel um ihr Studentenleben und ihren Alltag ging (der so wohl auch in jeder anderen Stadt hätte statt finden können). Trotzdem aber war es ein toller Ausflug nach Rom, der ewigen Stadt, der in mir das Fernweh noch stärker entfacht hat, und der mich hat dahinschwelgen lassen in Erinnerungen und Wünschen neues zu entdecken.



Donnerstag, 30. Mai 2013

[Rezension] Carmen Eller - Ein Jahr in Moskau

Klappentext:
»Kaum betrat ich die Metrostation, war es mit der Ruhe vorbei. In der Moskauer Unterwelt wie überhaupt im russischen Leben galt ein ehernes Gesetz: Der Stärkste gewinnt! Zur Rushhour herrschte in dieser Elfmillionenstadt real existierender Sozialdarwinismus. Einem Menschen, der es wagte, die Station ohne Ticket zu betreten, schlugen zu einem schrillen Warnsignal zwei Metallschranken auf die Schenkel.«

Verlag: Herder | Seiten: 191 | Preis: 12,95€ | Genre: Biographie, Reiseführer, Sachbuch | Spielt in: Russland, Moskau | Erscheinungsdatum: Oktober 2010 | ISBN: 978-3451061356

Erster Satz: 
"Über Moskau leuchten Sterne aus Glas."

via Herder

Worum gehts:
Carmen ist Journalisten und erhält die Möglichkeit für einige Zeit in Moskau zu leben, um dort vor Ort für die Deutsche Zeitung zu schreiben. Eine große Chance in diesem fremden Land, dass Carmen selbst nur einmal vor etlichen Jahren während eines Schüleraustausches kennen lernen konnte.
Alles scheint irgendwie ein bisschen anders in Moskau, und viele Russen pflegen zu sagen: "Moskau ist nicht Russland" Zu groß ist der Kontrast dieser schnelllebigen, engen, hektischen und eitlen Stadt. Doch Carmen entdeckt nicht nur die Vorzüge und Nachteile der größten Stadt der Welt, sie wird auch Teil von ihr, lebt in und mit ihr und findet bald ein neues zu Hause zwischen Stalinschnee und Rotem Platz.

Meine Meinung:

Ein Jahr in Moskau ist ein Buch aus der "Ein Jahr in..." Reihe, dass für mich, verglichen mit den bisherigen Büchern der Reihe, komplett aus dem Rahmen fällt. Während die Autoren anderer Bücher sich in Schwärmerein verlieren (die durchaus sehr inspirierend sind), beschreibt Carmen Eller ganz offensichtlich das "echte Moskau", in dem eben nicht alles glänzt. Es ist eine hektische Stadt, die es Fremden schwer macht und in der es so viele Unterschiede zum durchgeplanten Deutschland gibt, dass es einem offensichtlich nicht immer leicht macht, die Stadt zu lieben. Und doch gewinnt man einen ganz speziellen Eindruck dieser Metropole, vielleicht sogar einen viel schöneren weil nicht so verklärten.
Was man aber schnell lieben lernt, sind die Moskauer selbst. Teilweise tragen sie ihr Herz vielleicht nicht auf der Zunge, doch Carmen Eller zeigt uns, dass ein zweiter Blick es oft wert ist, und dass "harte Schale, weicher Kern" eine Phrase mit Substanz ist.
Mir persönlich hat auf jeden Fall die Romanze zwischen ihr und ihrem Arbeitskollegen noch sehr gefallen. Das gab dem Buch diese besondere, persönliche Note und hob es ab von einem reinen "Stadtführer" in dem man Tipps und Kniffe für einen gelungenen Aufenthalt in Moskau und Russland selbst lernt.


Sonntag, 14. April 2013

[Rezension] Rita Henß - Ein Jahr in der Provence

Klappentext:
» "Attention mademoiselle!" Fast wäre ich direkt in den großen, kräftigen Mann hineingelaufen, der plötzlich vor mir steht, eine Hand in die Hüften gestemmt, mit der anderen ein riesiges Blech balancierend. Croissants! Direkt aus dem Ofen. Mmmmh.« In vollen Zügen genießt Rita Henß das Abenteuer Provence.

Verlag: Herder | Seiten: 192 | Format: Taschenbuch | Preis: 12,99€ | Genre: Biographie, Reise, Sachbuch | Spielt in: Frankreich, Provence | ISBN: 978-3451065293

Erster Satz:
"Acht Jahre Inselleben hinterlassen Spuren."




Worum geht es:

Rita Henß beschließt dass es für sie endlich Zeit wird, ihre gewohnte Umgebung gegen etwas neues, inspirierendes zu tauschen- und schnell fällt die Wahl auf Frankreich, auf die Provence. Da sie selbst schon viel Zeit in der Vergangenheit in diesem Land verbracht hat, und es stets genossen hat, ist der Schritt ins Nachbarland aufregend aber nicht angsteinflößend.
Dort angekommen entschließt sie sich zunächst einmal die etwas traditionellere Seite der Provence kennenzulernen, und sich Marseille für die Wintermonate aufzusparen, die Zeit in der das Wetter und das Ambiente in den dörflichen Regionen nicht mehr ganz so reizvoll sind. 
Zwischen Natur und traditionsbewussten Einheimischen lebt sie sich schnell ein, genießt die Vorzüge der Gegend und das kulinarische Angebot, und entdeckt Stück für Stück ein bisschen mehr von dieser vielfältigen Region.

Meine Meinung:

Bisher habe ich ja schon einige Bücher aus dieser Reihe "Ein Jahr in..." gelesen, und war jedes Mal komplett begeistert. Schnell konnten mich die jeweiligen Autoren mit ihrer eigenen Begeisterung für das jeweilige Land und die jeweiligen Eigenarten begeistern, und ebenso rasch bekam man ein Gefühl, bisher so viel verpasst zu haben.
Mit diesem Buch hatte ich aber von Anfang an meine großen Schwierigkeiten. Frau Henß hat es leider bis zum Schluss nicht geschafft mich für die Provence zu interessieren, bzw. mit das ganz individuelle Flair der Provence zu vermitteln. Viel zu verwirrend und unstrukturiert präsentiert sie ihre Erfahrungen, wechselt teilweise innerhalb von nur wenigen Seiten, die Jahre in denen sie ihre Erfahrungen und Eindrücke sammelt, und ließ mich oft den Faden verlieren. Auch störte mich ungemein der ständige Gebrauch ihre französischen Sätze. Für mich, die ich viele Jahre französisch gelernt habe, waren die Sätze meistens einfach zu verstehen - so dass ihre anschließenden Kommentare Sinn machten - aber für jeden, der mit dieser Sprach bisher nicht mehr am Hut hatte außer "Je t'aime" oder "trés chic" wird sicherlich nicht viel Freude beim Lesen haben. Es ist auch einfach sehr überflüssig, auf jeder Seite "jeden dritten Satz" auf französisch zu schreiben - das Ambiente würde auch so vermittelt werden. 

Außerdem waren ihre geschilderten Erlebnisse leider auch nicht immer interessant für mich als Leser. Zwar weiß ich jetzt viiiele viele Details über ihr Leben und auch das Dorf in dem sie zu Beginn lebt, aber "das große Ganze" bleibt im Dunkeln.

Zunächst habe ich überlegt dem Buch nur 2 Sterne zu geben, was meiner persönlichen Meinung entspräche. Aber das wäre dem Buch gegenüber unfair. Denn wer in Kürze plant einen Ausflug in die Provence zu machen oder schon dort war, und nun in Erinnerungen schwelgen möchte, für den ist das Buch doch geeignet. 
Für eben diese Leute werden Orte beleuchtet, die es sich sicherlich zu besuchen lohnt, werden Tipps gegeben, für Essen und Trinken, das man ausprobieren sollte, und Plätze genannt, die einen zweiten Blick wert sind. 
 

Samstag, 30. März 2013

[Rezension] Nicola Kaulich-Stollfuß - Ein Jahr in Singapur

Klappentext:
Ein Jahr in Singapur, kann das gut gehen? - Von der Wohnungssuche zwischen Hochhausbaustellen und der Kontrolle malariaverseuchter Blumentöpfe über Fußmassagen im Tempel, Vogelgesangswettbewerbe und Begegnungen mit Krokodilen in Stadtrandsümpfen. - Kein Hindernis, in dieser faszinierenden Multikulti-Gesellschaft anzukommen.

Verlag: Herder Spektrum | Format: Taschenbuch | Seiten: 190 | Preis: 12,99€ | Genre: Reiseführer, Sachbuch, Erfahrungsbericht | Spielt in: Singapur | Erscheinungsdatum: Februar 2013 | ISBN:  978-3451065170

Erster Satz:
"Mein Mann Burkhard behauptet immer, ich hätte ein 'schlesisches Gemüt'." 



Worum geht es:
Als Nicola Kaulich-Stollfuß´ Mann ein Jobangebot von seiner Firma bekommt, bricht ersteinmal im Leben des Berliner Ehepaars das Chaos ein: Drei Jahre Singapur? Wo zur Hölle liegt das eigentlich? Sollen wir das wirklich machen? Aber schnell steht die Entscheidung fest, die beiden gehen nach Singapur- in eine ihnen völlig unbekannte Welt. 
Und schon bald entpuppt sich dieser kleine Stadtstaat als Traumziel von Frau Kaulich-Stollfuß. Diese Stadt der Superlative und Gegensätze, in der moderne Hochhaus-Glasbauten neben traditionellen Tempeln stehen, in der Expats (Ausländer) mit Indern, Chinesen und anderen kleineren Kulturen Tür an Tür leben, in der ein Temperaturunterschied von 20°C von draußen und im Kino herrschen und in der Weihnachten das Konfekt davonschmilzt, bleibt kaum Zeit die Heimat zu vermissen, und jede Woche bietet neue Möglichkeiten sich in die Stadt noch ein kleines bisschen mehr zu verlieben. 

Meine Meinung:
"Singapur? Ja irgend son ein Stadtstaat in Asien? Und modern. Aber sonst? Nö, keine Ahnung. Klingt exotisch." Das denken wohl die meisten, wenn sie das Wort Singapur hören. Eine Stadt, weit weg von uns, aber so wirklich wissen wir nichts darüber. Mir geht es da nicht anders. Ein genaues Bild von der Stadt hatte ich nicht, und war deshalb auf dieses neue Buch aus der Ein Jahr in.. Reihe wahnsinnig gespannt. 
Ich liebe es, mich in ferne unbekannte Welten entführen zu lassen - und fremder hätte mir diese Stadt vor dem Lesen des Buches gar nicht sein können.

Doch Frau Kaulich-Stollfuß versteht es zu einhundert Prozent, einem die Stadt so schmackhaft zu machen, dass man sich fragt wieso man eigentlich noch nicht auf dem direkten Weg ins Reisebüro ist, um einen Direktflug zum Changi Flughafen zu buchen, um die Stadt mit eigenen Augen zu sehen.
 Denn, neben der wirklich sehr lockeren und angenehm humorvollen Schreibart, lockt das Buch auch noch mit seinen unzähligen neuen Impressionen. Hinter jeder Buchseite scheint sich auch eine neue Seite von Singapur zu verstecken, die man vorher so nie geahnt hätte. Sei es nun der quirlig laute Wochenmarkt oder die Bunkerähnlichen Räume in den Wohnungen. Man "sieht durch ihre Augen" alles, was man sich von einem spannenden Aufenthalt wünscht, und fühlt fast schon selbst den Schweiß den Rücken herunterlaufen, bei der Vorstellung sich bei 35°C und 90% Luftfeuchtigkeit mit dem Fahrradlenker voller Tüten den Berg nach Hause hochzuquälen.

Von allen Büchern der Reihe die ich bisher gelesen habe, ist dieses mit Abstand das beste und lässt mich ein weiteres Ziel auf die Liste der Orte hinzufügen, die ich in meinem Leben unbedingt noch bereisen muss. 




Freitag, 22. März 2013

[Rezension] Nadine Sieger - Ein Jahr in New York

Klappentext:
Wie im Film, aber alles live: Penetrante Hupkonzerte und unablässig drängende Menschenmassen. Und ein Jahr Zeit, um die Dating-Kultur und das legendäre Truthahn-Essen an Thanksgiving kennenzulernen.

Verlag: Herder | Format: Taschenbuch | Seiten: 190 | Preis: 12,99€ | Genre: Sachbuch, Reiseführer, Biographie | Spielt in: USA (New York, New Look City) | Erscheinungsdatum: März 2008 | ISBN: 978-3451059469
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Erster Satz:
 "Wie im Film."




Worum gehts:
Nadine bekommt die Chance, von der Millionen von Menschen träumen: Sie bekommt ein Visum für Amerika, um in den nächsten fünf Jahren als Journalisten zu arbeiten. Doch eigentlich weiß sie nicht viel mehr über die Stadt, als jeder normale Tourist, und trotzdem entdeckt sie Facetten in den kommenden 12 Monaten, die sie nie für möglich gehalten hätte. Entdeckt die Multi-Kulti-Gesellschaft für sich, probiert, experimentiert und genießt. Von Open-Air Konzerten bis Feuerwerk, von Wohnungssuche bis Thanks Giving, von Freundschaft bis Datingrules.

Meine Meinung:
Nadine Sieger hat eine unglaublich sympathische Art zu schreiben, und eine Art bei der man das Geschehene irgendwie direkt miterleben kann. Miterleben darf. Mit ihrer offenen Art verzaubert sie ganz offensichtlich nicht nur die Menschen vor Ort, sondern gibt auch uns als Leser das Gefühl, dazuzugehören und direkt dabei zu sein.
Dabei sind ihre Erfahrungen nicht unbedingt die die auch ich würde machen wollen, und die Tipps die sie gibt, waren in 80% keine für mich passenden. Und dennoch vermittelt es dieses ganz besonderen Spirit, diese Lebensfreude die einen mitzieht oder abschreckt. Aber neutral und unberührt gegenüber dieser Millionenmetropole wird man nach Ende des Buches nicht mehr sein.
Jedoch gibt sie, im Gegensatz zu beispielsweise dem Buch "Ein Jahr in San Francisco" keine Empfehlungen, welche Festivals man wann besuchen kann, wo man besonders gut isst oder welcher Touripunkt besser zu meiden ist. Denn solche Dinge erlebt Nadine Sieger eher weniger. Viel eher sind ihre Empfehlungen subtil, und für jemanden der bald nach New York reisen möchte, und abseits der Menschenmassen die Stadt kennenlernen möchte, tolle Möglichkeiten, die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten zu "seiner" Stadt zu machen.


Freitag, 8. März 2013

[Rezension] Cornelia Tomerius - Ein Jahr in Istanbul

Klappentext:
Sie wissen nicht, wie sich der Bosporus verändert, wenn die Sonne scheint oder wenn der Himmel voller Wolken hängt. Sie wissen nicht, was in der Stadt los ist, wenn Ramadan ist, oder ein Fußballspiel der hiesigen Clubs. Sie wissen nicht, wie unglaublich bürokratisch es hier zugehen kann, und dann wieder wie südländisch unkompliziert. „ Dann schaut sie mich eindringlich an : „Sie wissen nicht, was es heißt eine Istanbulerin zu sein.“


Verlag: Herder | Seiten: 190 | Preis: 12,95€ | Format: Taschenbuch | Genre: Sachbuch, Reiseführer, Biographie | Spielt in: Türkei | Erscheinungsdatum: März 2008 | ISBN: 978-3451059407
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Erster Satz:
"'Tschai ?', fragt Frau Ö, knapp und gießt, ohne die Antwort abzuwarten, den heißen Tee in die Tasse."


Worum geht es:
Eigentlich wollte Cornelia Tomerius in Istanbul nur schnell einen Job erledigen, doch dann kommt alles etwas anders: Sie bleibt und erliegt der Schönheit und dem geheimnisvollen Zauber der Stadt am Bosporus, sowie dem Charme der Istanbuler. Sie lernt die Kunst der Improvisation und die Tücken des Türkischen. Sie erkundet Konstantinopel und erfährt, was einst wirklich im Harem des Sultans geschah. Sie entdeckt , warum der Istanbuler den Fußball so sehr braucht wie die Bosporusdampfer den Fahrtwind. Sie feiert Zuckerfest und Beschneidung und zündet den Silvesterbaum einfach eine Woche früher an.

Meine Meinung:
Wer jemals in Istanbul war wird sich, so wie ich, auf der Stelle in diese laute, chaotische, wundervolle Stadt verlieben, wird durch einige Moscheen und Paläste gelaufen sein, ist vielleicht auf dem Bosporus herum geschippert und hat sich auf dem Basar von der wundersamen Duftmischung aus Gewürzen, Kaffe und tausenden Menschen verwirren lassen. Und dann fährt man nach Hause mit dem unbefriedigten Gefühl, längst nicht alles gesehen und stattdessen viel zu viel verpasst zu haben. Aber dann findet man dieses zauberhafte kleine Buch und erlebt mit Cornelia Tomerius die andere Seite dieser Riesenstadt. Wer jetzt allerdings einen Reiseführer mit Tipps für die besten Bars und Ausflüge zu den beliebtesten Touristenatraktionen erwartet wird enttäuscht werden. Wer aber auf unterhaltsame Weise Geschichte und Geschichten über diese faszinierende Stadt und über das Leben zwischen Wahnsinn, Hitze und Gastfreundschaft kennenlernen möchte, wird dieses Buch lieben. Frau Tomerius' amüsanter Schreibstil macht es einem leicht einzutauchen zwischen blumigen Straßenverkäufern und Fußballfans, zwischen einer Jahrhunderte alten Kultur und einer unerwarteten Moderne. Dieses Buch lässt einen den tristen Winter in Deutschland vergessen und macht Lust auf den nächsten Sommerurlaub- Natürlich in Istanbul.



Dienstag, 25. Dezember 2012

[Rezension] Hanni Bayers - Ein Jahr in San Francisco

Klappentext:
Plötzlich ruft der Herr: »Next one, please.« Next one, das bin ich. »Passport, please. Your finger there.« Er liebt den Befehlston; wenige Worte, klare Ansagen. Ich drücke die Finger meiner linken Hand auf die warme Glasscheibe des grün blinkenden Lesegeräts vor mir. Ein Jahr in San Francisco kann beginnen - mit Cable Cars, Golden Gate Bridge, Hippies, Internet-Unternehmen und jeder Menge Raum für Träume und Abenteuer.

Verlag: Herder | Format: Taschenbuch | Seiten: 192 | Preis: 12,99€ | Genre: Sachbuch, Reiseführer, Biographie | Spielt in: USA (Kalifornien, San Francisco) | ISBN: 978-3451062568
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Erster Satz:
"Mit flinken Zügen malt er den Umriss der Vereinigten Staaten von Amerika auf die Flugzeugserviette."



Worum geht es:
Hanni arbeitet für eine Medizintechnik-Firma und erhält die Möglichkeit den Betrieb auf amerikanischen Boden auszubauen. Dazu reist sie für ein Jahr nach San Francisco, eine Stadt von der Hanni schon viel gehört hat, und die sie schon immer besuchen wollte. Und tatsächlich erlebt sie dort eine Welt, die im totalen Unterschied zum restlichen Amerika steht, eine Stadt die in jedem Winkel anders ist, und ein Leben voller Abenteuer und neuer Eindrücke.

Meine Meinung:
San Francisco ist eine Stadt, die ich seit Full House und etlichen anderen Filmen schon immer unbedingt einmal besuchen möchte, und die mich mehr reizt als L.A, Miama und Las Vegas zusammen. Und obwohl in naher Zukunft keine Reise dorthin geplant ist, fand ich es dennoch unglaublich interessant, die Stadt aus den Augen von Hanni Bayers zu entdecken. Sie entdeckt viel in der Stadt und der Umgebung, gibt Tipps für gute Bars, Restaurant, Festivals und Ausflüge, die jedem hilfreich sein dürften, der eine Reise plant, und erzählt dabei auch aus ihrem Privatleben. 

Allerdings finde ich manche Aussagen von Frau Bayers mehr als fragwürdig. Obdachlose, Arbeitslose und alle in irgendeiner Weise nicht durchschnittliche Menschen (Schwule ausgenommen, die findet sie nämlich total suuupiii) scheinen unter ihrem Niveau zu sein, und sie ist froh, wenn sie mit derartigen Personen nicht in Kontakt treten muss. Arme Hanni, muss sie wirklich neben Jobsuchenden im gleichen Raum sitzen.

Ansonsten ist ihr Leben aber wirklich amüsant und lesenswert, und macht Lust auf diese bunte Stadt.


Sonntag, 8. Juli 2012

Ein Schock: Vater unser in der Hölle, von Ulla Fröhling

Vollständiger Titel: Vater Unser in der Hölle: Durch Inzest und Missbrauch in einer satanistischen Sekte zerbrach Angelas Seele | Format: Taschenbuch | Preis: 6,00€ | Verlag: Bastei Lübbe | Seiten: 448 | ISBN: 978-3404270774 | Genre: Biographie, Schicksal
Ihr könnt das Buch z.B. *hier* bei Amazon kaufen


Ich habe jetzt sehr lange überlegt, ob und wenn ja wie ich dieses Buch rezensieren werde. Ob ich das überhaupt möchte. Ich habe mich jetzt dazu entschieden, dass ich es euch vorstellen möchte, es aber nicht "rezensieren" werde, sondern stattdessen von meinen Eindrücken berichte Denn zu einer Rezension gehört die Bewertung des Plots, der sprachlichen Gestaltung, etc. die einfach bei diesem Buch nichts zur Sache beitragen. Es hätte auch durchzogen sein können, von Rechtschreibfehlern, es wäre dadurch nicht weniger grausam gewesen.


Worum geht es: 

Angela Lenz (die Namen, Berufe und Wohnorte aller Personen wurden geändert) wird in eine Familie hinein geboren, in der sie als Tochter, als Kind, als Mädchen, als Mensch nicht mehr zählt als der Körper, den man missbrauchen, foltern und vergewaltigen kann, und als Verstand, dem man ab frühster Kindheit einbläut, niemals zu reden. Angela wird in eine Familie geboren, in der sie vom Vater bereits als Säugling vergewaltigt wird, von der Mutter seelisch und körperlich misshandelt wird, vom Vater und den "anderen Onkeln" verkauft, gefoltert, gefilmt, und schlussendlich fast zerstört wird.
Um diese Qualen ertragen zu können, spaltet sich Angelas Seele schon mit der ersten Vergewaltigung auf. Eine Persönlichkeit erträgt die Schmerzen, die andere erinnert sich nicht an diese Zeit, und ist verwundert über die Schmerzen. Im Laufe ihres Lebens und im Verlauf der Zeit als Opfer, spaltet sich ihr Verstand in weit über 100 Persönlichkeiten auf. Alle unterschiedlichsten Alters, unterschiedlichster Funktion, sogar teilweise Männer und selbst eine Persönlichkeit als Hund. Diese einzelnen "Personen" wissen teilweise von einander, können miteinander kommunizieren, oder sind völlig ahnungslos. All diese Persönlichkeiten sind wichtig, um das letzte bisschen Würde in Angela zu schützen, und ihren Geist und ihre Seele davor zu bewahren, was ein Mensch alleine nicht greifen kann. Das Krankheitsbild: MPS, Multiple Persönlichkeitsstörung. Nicht zu verwechseln mit Schizophrenie. 

Das Buch wird nun teilweise aus Angelas Sicht erzählt, aus der Sicht ihrer Therapeutin Nina Temberg, die Angela beinahe 10 Jahre behandelt, und aus Sicht der Autorin Ulla Fröhling, einer freien Journalisten, die mit vielen Beteiligten und Sachkundigen dieser Thematik sprach. 


Mein Eindruck

Nachdem ich die ersten Seiten gelesen habe, habe ich mich gefragt, was mich dazu bewogen hat, dieses Buch zu kaufen. Denn bereits nach nicht einmal 100 Seiten, habe ich überlegt das Buch zu beenden, weil ich einfach kaum ertragen konnte, was in dem Buch geschildert wird. Im Endeffekt habe ich mich dazu entschlossen, es bis zum Schluss zu Ende zu lesen, denn ich als Leser muss lediglich die Bilder ertragen, die in meinem Kopf entstehen. Angela musste das durchleben, am eigenen Körper spüren. Die Dunkelziffer der Kinder die das auch heute noch in unserem "aufgeklärten und sicheren" Europa durchleben ist vermutlich unbegreifbar hoch. Und ich finde einfach, dass ich es den Kindern und aus ihnen gewordenen Erwachsenen schuldig bin, es zu ertragen.

Obwohl ich viele, wohlgemerkt fiktive, Bücher aus dem Thrillerbereich gelesen habe, die auch nicht an Brutalität und Grausamkeit sparen, war ich auf das was mich erwartet hat nicht vorbereitet. Auch andere (Auto-)Biographien, von Opfern von Vergewaltigung etc. haben mich berührt. Keines jedoch hat mich so zurückgelassen, wie die Geschichte von Angela. Es macht mich unfassbar traurig, wütend und lässt mich hilflos und fassungslos zurück. Bis zum Lesen des Buches, konnte ich mir auch einfach nicht vorstellen, das Verbrechen dieser Art bei uns so vorkommen können, das Menschen zu dieser Gewalt an Kindern fähig sind. Jetzt denke ich eher, dass ich vorher nur gut darüber hinweggesehen habe.

Das Leben von Angela wird, wie gesagt, aus der Perspektive von ihr selbst, aber auch von ihrer Therapeutin betrachtet. Das vermittelt einen sehr tiefen Einblick in das Krankheitsbild von dieser Frau, wart teilweise Distanz zu Vorkommnissen, erklärt Sachverhalte, die auf den ersten Blick ersteinmal verwirren, stößt einen aber auch direkt und unvermittelt in die Verbrechen hinein. Einige werden sehr detailliert beschrieben, andere Missbrauchstaten werden nur oberflächlich beschrieben, denn eine genauere Beschreibung wäre nicht notwendig. Die Bilder entstehen auch von allein. 

Dennoch ist das Buch nicht nur grausam. Es ist auch das Zeugnis einer Frau, die es schaffen will ihr Leben wieder zu ordnen, es klärt auf über das Krankheitsbild MPS, es distanziert von Klischees und erklärt viel über die Arbeit mit Patienten, über die Schwierigkeiten der Anerkennung von MPS, über Sekten und über Satanismus (ohne dabei zu Verallgemeinern!).

Im Anschluss an dieses Buch hatte ich das dringende Bedürfnis, mich noch tiefer mit dem Thema zu beschäftigen, obwohl es sehr an meinem Weltbild gerüttelt hat, und ich mir sicher bin, das auch ein kleines Stück in mir zerbrochen ist, jetzt wo ich weiß, in welcher Form das Böse einfach neben uns existiert.  Deshalb habe ich im Internet recherchiert, habe mir Berichte durchgelesen, und nach Fachliteratur gesucht. Unter anderem bin ich dabei auch auf zwei Videos gestoßen, jeweils Dokumentationen über rituellen Missbrauch und MPS, die ich jedem empfehlen kann, der sich (jetzt) für das Thema interessiert. Ich möchte euch aber warnen, denn die Dokumentationen sind, obwohl sie natürlich für das Fernsehen produziert wurden (N24 und hr), sehr belastend und schockierend.


Dokumentationen:
http://www.youtube.com/watch?v=7Dd79FjOsx0&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=-PRPwAbY-Fc


Ich gebe dem Buch 5 Sterne. Nicht weil es mir gefallen hat, sondern weil ich möchte das es gelesen wird! 




Freitag, 13. April 2012

Natascha Kampusch - 3096 Tage

Klappentext:
Natascha Kampusch erlitt das schrecklichste Schicksal, das einem Kind zustoßen kann: Am 2. März 1998 wurde sie im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt. Ihr Peiniger, der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, hielt sie in einem Kellerverlies gefangen - 3096 Tage lang. Am 23. August 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht. Priklopil nahm sich noch am selben Tag das Leben. Jetzt spricht Natascha Kampusch zum ersten Mal offen über die Entführung, die Zeit der Gefangenschaft, ihre Beziehung zum Täter und darüber, wie es ihr gelang, der Hölle zu entkommen. 

Verlag: Ullstein | Preis: 9,99€ | Seiten: 288 | Format: Taschenbuch | ISBN: 978-3548374260 
Ihr könnt das Buch z.B. hier bei Amazon kaufen 


Worum geht es:
Viel muss ich ja dazu nicht sagen, jeder hat ihre Geschichte mitbekommen. Im Alter von 10 Jahren wird Natascha von Wolfgang Priklopil, der sie in ein nicht einmal 10m² großes Verlies tief unter seinem Haus sperrt und dort für 8 Jahre festhält. In dieser Zeit erlebt sie Erniedrigung, Misshandlung und durchlebt eine Zeit, die niemand nachfühlen kann. Nur weil sie sich mit dem Täter "arrangiert" kann sie diese Zeit überstehen und überleben. 

Meine Meinung:
Es fällt mir unheimlich schwer, dieses Buch zu rezensieren. Ich finde es steht mir einfach nicht zu, ihre Geschichte zu bewerten, deshalb seht es eher als meinen Eindruck von dem Buch und der Art und Weise wie es geschrieben ist. Nicht als ein Urteil darüber, was sie durchleben musste. Nicht als Wertung, sondern nur als persönliche Empfindung beim Lesen.

Im Gegensatz zu anderen Biographien die ich gelesen habe, und die relativ zeitnah geschahen, empfinde ich dieses Buch als wesentlich authentischer und realer. Oftmals hatte ich den Eindruck, dass die Autoren sich bei ihren Biographien als besonders stark und emotionslos beschreiben wollen. Dieses Gefühl hatte ich nicht. Dabei schreibt sie nicht unfassbar traurig, bedient sich keiner sprachlichen Mittel, die mich schluchzen lassen, sondern schildert ihre Geschichte einfach subjektiv, aus ihrer Sicht.

Vieles was in dem Buch geschrieben war, wusste ich so gar nicht. Dabei habe ich den Fall sehr intensiv verfolgt in den Nachrichten, aber vielleicht habe ich auch einfach ausgeblendet, dass das was nicht gesagt wurde trotzdem geschah. Die Brutalität, seelisch wie physisch, aber hat mich zutiefst schockiert. Natürlich hätte ich mir denken können, dass es so war - hab ich auch - aber es schwarz auf weiß zu lesen, gibt dem ganzen eine ganz andere Intensität.

Dennoch gab es ein paar Sachen, die mir nicht gefallen haben. Vieles wurde sehr sehr oft wiederholt. Teilweise sogar beinahe zitiert. Dabei rede ich nicht von irgendwelchen Gefühlen, sondern Beschreibungen oder Charakterisierung des Täters. Ganze Kapitelabschnitte ähnelten sich extrem, besonders in den ersten Jahren ihrer Gefangenschaft, während sehr die letzten Jahre und die Befreiung zu kurz kamen. 
Und ich sehe ihre Auseinandersetzung mit dem Stockholm- Syndrom auch sehr kritisch. Sie äußert sich mehrfach sehr klar, dass sie dieses Syndrom nicht hat. Doch einerseits bezweifel ich, dass sie das überhaupt beurteilen kann, und andererseits sprechen viele ihrer Sätze eben genau für dieses Syndrom. Es lässt sich nicht alles damit entschuldigen, dass sie nur so überleben konnte, denn auch das, dieses mit dem Täter nicht ins Gericht zu gehen, ist ein Indiz für das Stockholm- Syndrom.

Fazit: Alles in allem war es aber eine´sehr aufwühlendes und erschreckendes Buch. Das nicht wirklich Dinge offenbart, die man nicht ohnehin schon aus den Medien kannte, aber Natascha mehr zur Person als zum Opfer werden lassen.



Donnerstag, 29. März 2012

[Rezension] Petra van Laak - 1 Frau, 4 Kinder, 0 Euro (fast)

Klappentext:
 Würden Sie einen Telefonjob im Drücker-Milieu annehmen, um Ihre vier Kinder durchzubringen? Fänden Sie es lustig, im Garten zu zelten, um den Kleinen Urlaub vorzugaukeln? Was wäre wichtiger: Ihr Cello oder Winterjacken für die Kinder? - Eben noch Managergattin mit Villa am See - und im nächsten Moment bricht für Petra van Laak die Existenz zusammen. Nach Firmeninsolvenz und Trennung von ihrem Mann muss sie sich mit vier kleinen Kindern alleine durchschlagen. Mit Schlagfertigkeit und einem großen Sinn für Komik meistert Petra van Laak abenteuerliche Jobangebote, die hürdenreiche Wohnungssuche und absurde Begegnungen in Behörden. 

Verlag: Droemer | Seiten: 272 | Format: Broschiert | Preis: 14,99€ | ISBN: 978-3426226193
Ihr könnt das Buch zum Beispiel *hier* bei Amazon kaufen

 

Worum geht es:
Eigentlich hatte Frau van Laak immer ein schönes Leben: Nach dem Studium kam das erste Kind, dann das nächste, und plötzlich waren 4 Kinder, und Petra van Laak raus aus dem Arbeitsleben und nun Hausfrau und Mutter. Aller kein Problem, immerhin verdiente ihr Mann das Geld und ermöglichte ein Sorgenfreien Leben. Doch als die Insolvenz nicht mehr aufzuhalten ist, und auch die Ehe zerrüttet, beschließt Petra van Laak mit ihren 4 Kindern auszuziehen. Weil sie aber zu stolz ist Arbeitslosengeld zu beantragen, und nur vom Unterhalt und Kindergeld lebt, wird es zunehmen schwieriger sich durchzuschlagen. Deshalb nimmt die unmöglichsten Jobs an, rennt von Vorstellungsgespräch zu Vorstellungsgespräch und erträgt Situationen die sie sich nie hätte vorstellen können.

Meine Meinung:
Viele werden über dieses Buch sagen, es wäre Jammern auf hohem Niveau. Immerhin könnte sie ja Unterstützung vom Staat bekommen, und bekommt schließlich Unterhalt und Kindergeld- da haben es die Kinder in Afrika viel schlimmer. Aber ich glaube, wer so über das Buch urteilt, hat es vielleicht einfach nicht verstanden. Ich denke nicht, dass es Frau van Laak darum geht, Mitleid zu schinden. Sie hätte vieles einfacher haben können; Wollte sie aber nicht. Sie wollte sich und ihren Kindern ein Leben schaffen, in dem es ihnen gut geht, und dafür muss man nun einmal was tun. 

Petra van Laak ist mir auch wirklich sehr sympathisch in diesem Buch geworden. Sie ist keine plötzlich verlassene Millionärsgattin, die in Selbstmitleid versinkt, sondern eine Macherin. Und ganz besonders die Kinder, vor allem die kleine Millie, sind so liebevoll beschrieben. Am Ende von jedem Kapitel ist ein Zitat der Kinder, die unglaublich niedlich, berührend oder traurig sind, aber immer eines: authentisch. 

Übrigens, und damit verrate ich nicht zu viel, denn dies steht im Autorenportrait des Buches, schafft Petra van Laak es sich aus der Misere heraus zu arbeiten, und wurde vom Land Brandenburg später zur Unternehmerin des Jahres gekürt. 

Manches Mal zieht sich die Handlung natürlich, ist weniger spannend oder wiederholt sich im Kern. Andere Szenen aber fand ich so schräg, dass sie fast schon lustig waren. Klar, nicht für die Autorin, aber für mich als Leser schon :)


Donnerstag, 19. Januar 2012

Emma Donoghue - Raum

Klappentext
 Auch seinen fünften Geburtstag feiert Jack in Raum. Raum hat eine immer verschlossene Tür, ein  Oberlicht und ist zwölf Quadratmeter groß. Dort lebt der Kleine mit seiner Mutter. Dort wurde er auch  geboren. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es doch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen …

Das Buch ist im Pieper Verlag erschienen, hat 409 Seiten und kostet 19,99€ als Hardcover
Das Buch könnt ihr z.B. *hier* bei Amazon kaufen 

  

Worum geht es:
Stell dir vor, deine ganze Welt ist 15qm groß. Stell dir vor, du kennst nur 2 Personen. Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt, heißt Jack, und weißt nicht, dass es noch eine Welt außerhalb von Raum gibt. Alles was es sonst noch gibt, das was man im Fernseher sieht, ist nicht echt. Es ist eben nur Fernseher. Das ist ja wohl ganz klar. Tiere sind Fernseher, Spielzeug ist Fernseher, Kinder sind Fernseher. Nur Jack, und Ma und Old Nick, die sind in echt. 
Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt, und bist plötzlich nicht mehr in Raum.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist so packend, traurig und beängstigend, dass ich es in nicht einmal 24h durchgelesen habe, es weggelegt habe, und nicht mehr schlafen konnte. Weil alles, an das ich denken konnte war "Wie viele gibt es noch, in Raum?".

Ersteinmal, bevor ich noch mal kurz auf meine Meinung eingehe, möchte ich aber was sagen. Ich habe jetzt schon viele Rezensionen zu diesem Buch gesehen und gelesen, und eine Sache war dabei, die oft zu "Punktabzug" oder schlechteren Kritiken führte. Bemängelt wurde regelmäßig der Sprachstil: "Zu kindisch", "keine Artikel, dadurch wird das lesen erschwert" etc. Ich persönlich denke aber, dass das ganz genau so gewollt ist, und kein Ausdruck eines kindlichem Sprachniveaus ist. Viel mehr kam es bei mir so an, das "Raum, Zudeck und Schrank" Freunde, Vertraute für Jack waren, und genauso spricht er eben auch über sie. Ich spreche meine Freunde auch ganz selten mit "Die Mama", "der Schatz" an. Das hat dem Buch irgendwie sowas trauriges gegeben, teilweise konnte ich es gar nicht richtig ertragen, was die beiden dort durchmachen.

Generell war die ganze Situation so beklemmend, ich bin ernsthaft einmal gucken gegangen ob meine Tür noch einwandfrei funktioniert, weil diese Enge die Jack gewohnt ist, seine Mutter aber gequält so so greifbar ist. 

Ich verrate nicht zu viel, der Klappentext sagt es ja ohnehin schon, gelingt den beiden dann eben die Flucht, und obwohl man weiß dass es für Sharon, also Jacks Ma, die Erlösung ist, sieht man auch die Panik und Abgrenzung von Jack, von dieser Welt da draußen.

Ihr seht, das Buch hat mich wirklich sehr berührt.


Dienstag, 20. Dezember 2011

Lilly Lindner - Splitterfasernackt

Klappentext:
Lilly Lindner ist sechs, als der Nachbar beginnt, sie regelmäßig zu missbrauchen. Mit 13 Jahren fängt sie an zu hungern – damit von ihrem geschundenen Körper möglichst wenig übrig bleibt. Doch die Schande macht sie damit nicht ungeschehen. Und so beschließt Lilly als junge Frau, ihren Körper, der ihr längst nicht mehr gehört, in einem Edel-Bordell zu verkaufen...

Das Buch ist im Droemer Verlag erschienen, hat 400 Seiten und kostet 16,99€
Das Buch könnt ihr z.B. *hier* bei Amazon kaufen

 

Worum geht es:
Von ihrem Nachbarn bekommt sie Schokolade. Sie hält sie in der Hand, und weiß dass sie sein Geruch, sein Gesicht und seine Wohnung niemals wird vergessen können. Denn die Schokolade hat sie bekommen im Tausch gegen ihre Seele. Nachdem ihr Nachbar sie im Alter von 6 Jahren vergewaltigt hat. 
Seitdem ist Lilly nicht mehr allein, denn außer ihr sind immer noch die kleine Lilly, Ana (Anorexie) und Mia (Bulemie) bei ihr. Und weil ihr Körper ihr ja schon längst nicht mehr alleine gehört, beschließt sie sich, ihren Körper und ihre Seele im Bordell zu verkaufen.

Meine Meinung:
Bei solchen Biographien, bei denen die Autoren ein so furchtbares Schicksal erleiden mussten finde ich es immer sehr sehr schwierig zwischen ehrlicher Rezension und Mitgefühl zu unterscheiden. Und eben nicht abzurutschen in "und dann macht sie das und das wieder, und das ist langweilig oder wiederholt sich", denn genau das was da geschildert wird, ist diesem Mädchen nun einmal wiederfahren. Andererseits sind das dann Teile des Buches, rein "analytisch" gesehen, die mich beim Lesen gestört haben. Aber ich denke ich trenne es einfach:

Man kann sich nicht vorstellen wie schlimm es Lilly gehen muss. Gegangen ist, und wahrscheinlich noch gehen wird, denn das was ihr zugefügt wurde lässt sich kaum greifen. Ich empfinde unendliches Mitleid mit ihr, und möchte sie aber gleichzeitig auch schütteln und ihr sagen, dass sie aufhören muss. Aber das will sie ja, sie kann nur nicht. Teilweise sind ihre Erlebnisse so erschreckend, dass ich sie als übertrieben oder unrealistisch abstempeln würde - wüsste ich es nicht besser.
Ich hoffe wirklich, dass Lilly es irgendwann schaffen kann, ihrem Teufelskreis zu entkommen.

Andererseits ist da das rein geschriebene, was mich veranlasst hat trotzdem einen Stern abzuziehen. Denn so richtig warm bin ich mit dem Schreibstil nicht geworden. Es ist teilweise sehr nüchtern geschrieben, fast schon steril, so dass ich alte Heulsuse nicht mal feuchte Augen hatte. Ich war mehr erschreckt. 
Weiterhin geht es ab Seite 200 in etwa ( 400 Seiten hat das Buch) fast ausschließlich nur noch um ihr Leben im Bordell und ihre schizophrenen Gespräche mit ihrer Magersucht/ Bulemie. Es wiederholen sich die Vorstellungen den Mädchen im Bordell regelmäßig und eben auch dass sie immer und immer wieder zusammenbricht wird immer und immer wieder beschrieben. 
Vielleicht ist es taktlos das zu sagen, aber da war das Buch zeitweise echt dröge.



Vielen Dank an den Knaur Droemer
Verlag für dieses Buch.

Montag, 12. Dezember 2011

Marko Leino - Das Wunder einer Winternacht

Klappentext:
Die wahre Geschichte vom Weihnachtsmann.
Hoch oben im Norden lebt der kleine Nikolas. Als er durch einen tragischen Unfall zur Waise wird, nimmt das ganze Dorf sich seiner an. Ein Jahr lang darf Nikolas bei jeder Familie bleiben. Wenn der Weihnachtsabend naht, muss er weiterziehen. Voller Dankbarkeit schnitzt Nikolas Jahr für Jahr Geschenke für «seine» Familie. Als er zum bösartigen Tischlermeister Lisakki in die Lehre kommt, scheint sein Glück vorbei. Der bärbeißige alte Mann hasst Kinder ... 

Das Buch ist im rororo Verlag erschienen, hat 288 Seiten und kostet als Taschenbuch 8,99€
Das Buch könnt ihr z.B. *hier* bei Amazon kaufen

 

Worum geht es:
Nikolas Eltern sterben bei der Überfahrt von der Insel auf der sie wohnen, zu der benachbarten Insel. Nikolas kleine Schwester Ada ist sehr krank, und damit das Kind nicht in ein kaltes Haus zurück kehren muss, lassen die Eltern Nikolas zurück, schließlich planen sie nicht lange fort zu bleiben. Doch als sie nicht zurück kehren, wird der Junge in das nächste gelegene Dorf gebracht, am heiligen Abend. Die Bewohner, alle samt arme Fischer, haben Mitleid mit dem Jungen, und beschließen obwohl sie selbst kaum was besitzen, ihn jeweils für ein Jahr bei sich aufzunehmen. 

Meine Meinung:
Das Buch ist furchtbar gut, und ganz furchtbar traurig. Obwohl es nur ein sehr dünnes Buch ist, habe ich doch recht lange fürs Lesen gebraucht, weil ich immer wieder aufhören musste, um nicht gleich völlig in Tränen auszubrechen. Was diesem Kind geschieht ist so traurig, und noch viel rührender ist aber, wie Nikolas in den folgenden Jahren damit umgeht, und besonders sein Ritual am Weihnachtsabend, wenn er aufs Eis geht. 
Es soll die wahre Geschichte vom Weihnachtsmann geben, und wüsste ich nicht, dass meine Freunde und Familie die Geschenke unter den Tannenbaum legen, ich könnte die Geschichte so sogar glauben. 
Alles macht Sinn, und der Grund warum Nikolas zum Weihnachtsmann wird, ist absolut schlüssig, berührend und unfassbar schön, dass ich beschlossen habe ab sofort wieder an den Weihnachtsmann zu glauben ♥

Lesen!