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Samstag, 12. Oktober 2013

[Rezi] Natasha Solomons - Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand

Klappentext:
In dem Moment, als Jack Rosenblum 1937 in Harwich von Bord geht, fasst er einen Entschluss: Als deutscher Jude, der mit seiner Frau aus Berlin fliehen konnte, möchte er so schnell wie möglich ein echter Engländer werden. Und so erstellt er eine Liste: einen leicht verständlichen Führer durch die Sitten und Gebräuche Englands. Fünfzehn Jahre später hat Jack viel erreicht. Nur einen Punkt auf seiner Liste konnte er noch nicht abhaken: Er ist noch nicht Mitglied in einem englischen Golfclub. Und da ihn niemand aufnehmen will, beschließt er, selbst einen Golfplatz zu bauen. Also schleift er seine Frau Sarah in das Herz der englischen Countryside, nach Dorset. Doch hier, im Land der Borstenschweine, Glockenblumen und des Apfelweins, scheint die schwierigste Aufgabe noch vor ihnen zu liegen ...

Verlag: Kindler | Seiten: 384 | Preis: 19,95€ | Genre: Drama, Schicksal | Spielt in: Großbritannien, Dorset | Originaltitel: Mr. Rosenblum's List | Erscheinungsdatum: September 2010 | ISBN: 978-3463405780

Erster Satz:
"Am Abend und in der Nacht ist es bewölkt und trüb, mit gelegentlichen Schauern." 



Worum geht es:

In Deutschland naht der Krieg, und so beschließen Jacob und seine Frau Sarah ins britische Exil zu gehen, um dem drohenden Unheil zu entgehen. Um auch ja alles richtig zu machen, legt sich Jacob - nun Jack - eine Liste an, auf welcher er alles aufschreibt was ein guter Brite zu tun und zu lassen hat, wie man sich am besten anpasst und wie man vor allem eins tut: Nicht aufzufallen.
Das Glück ist ihm hold, und schon nach wenigen Jahren in London hat es Jack zu einem erfolgreichen Geschäftsmann gebracht, der alles hat, wovon andere träumen: Eine Tochter, die sich gut entwickelt und von den nicht britisch und nicht jüdischen Kindern nicht mehr zu unterscheiden ist, ein schönes Haus, ein teures Auto und eine gut angepasste Lebensweise. Nur eins fehlt ihm jetzt noch zu seinem perfekten Glück. Jack will um alles in der Welt Mitglied in einem Goldclub werden, doch "die Quoten sind erfüllt" und auch auf Biegen und Brechen schafft er es nicht angenommen zu werden. Und so entschließt sich Jack, seinen eigenen Golfplatz zu bauen, in Dorset, Südengland. 

Meine Meinung:

Nachdem ich vor einiger Zeit "Wie die Liebe zu Elise kam" gelesen habe, war ich total gespannt auf dieses Buch, denn der Schreibstil in diesem anderen Buch gefiel mir damals unheimlich gut, und auch die Geschichte war anrührend und wunderschön. Also habe ich mir jetzt Mr. Rosenblums Geschichte gekauft, und mich voller Vorfreude ans Lesen gemacht. 
Die Story geht auch super toll los, man erfährt viel über das Leben von Jack und Sarah im "davor" und jetzt im "danach", verfolgt Episodenhaft den unglaublichen Aufstieg von Jack mit seiner Teppichfabrik und das Leben dass sich der geflohenen Familie dadurch bietet. Aber nichts ist diesem Mann genug, und so zieht er eben aufs Land, reißt eben seine Familie aus ihrer gewohnten Umgebung, und verschleudert halt sein Geld für eine Sache, die er meiner Meinung nach nur aus gekränktem Stolz verwirklichen will. Anfangs fand ich ihn noch ganz putzig, diesen Jack, der unbedingt alles richtig machen will, aber je weiter das Buch fortschreitet, desto schrecklicher finde ich ihn. Jack ist nicht mutig oder Erfolgsorientiert, wie uns das Buch teilweise weiß machen will, sondern ein fürchterlicher Egomane, dem das Glück und Wohlergehen seiner Mitmenschen, insbesondere seiner Frau nicht nur nicht wichtig ist, sonder es komplett ignoriert. Sarah stürzt ins bodenlose Unglück, und Jack übersieht das gekonnt, nur um noch das letzte Rest an Geld in einen Golfplatz zu investieren, der zum Scheitern verurteilt scheint.
Gegen Ende des Buches vermittelt die Geschichte einem, dass alles besser wird - aber ich konnte bis zum Schluss nicht mehr mit dieser egoistischen, selbstherrlichen Person warm werden. Normalerweise bin ich niemand, der Bücher weniger gerne mag, nur weil ich mir die Protagonisten nicht zu 100% gefallen, aber in diesem Fall war es doch so.
Dennoch ist der Schreibstil wieder wunderschön, die Wortwahl und sprachliche Gestaltung super schön, und erschafft vor den Augen die Szenerie so Detailgetreu, dass man sich fast schon wundern könnte, dass man das Gras nicht riechen und die Vögel nicht singen hören kann.
Was mich zuletzt noch sehr verwundert, ist die Einschätzung von Paul Torday auf der Rückseite des Buches. "Absolut witzig" bezeichnet er die Geschichte; Offensichtlich haben wir beide völlig verschiedene Vorstellungen von Humor, denn in meinen Augen ist die Geschichte alles, aber nicht witzig?! Lachen oder kichern musste ich an keiner einzigen Stelle...


Mittwoch, 24. Juli 2013

[Rezension] Dina Nayeri - Ein Teelöffel Land und Meer

Klappentext:
Saba ist elf Jahre alt, als zwei einschneidende Ereignisse ihr Leben verändern. Die Islamische Revolution zwingt Sabas wohlhabende christliche Familie dazu, Teheran zu verlassen und sich, fern von den prüfenden Blicken der Mullahs, auf ihre Ländereien in der Gilan-Provinz zurückzuziehen. Kurz darauf verschwinden ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab spurlos. Ihr Vater und die Nachbarn im Dorf behaupten - Mahtab sei bei einem nächtlichen Bad im Kaspischen Meer ertrunken und die Mutter sei bei dem Versuch - den Iran zu verlassen, festgenommen worden. Doch Saba glaubt an eine ganz andere Geschichte: Immer wieder erzählt sie ihrer besten Freundin Ponneh und dem Jungen Reza, den sie liebt, Episoden aus dem filmreifen Leben, das die beiden Vermissten inzwischen in den USA führen.
Als Saba erwachsen wird, muss sie sich jedoch immer drängenderen Fragen stellen: Was ist Wahrheit und was ist Lüge? Darf Liebe ein Grund sein, sich selbst zu verleugnen? Und wann ist es an der Zeit, eigene Entscheidungen zu treffen und sein Schicksal in die Hand zu nehmen?

Verlag: mare | Seiten: 522 | Preis: 22,00€ | Genre: Drama, Schicksal | Spielt in: Iran, Gilanregion | Originaltitel: A Teaspoon of Earth and Sea | Erscheinungsdatum: Juli 2013 | ISBN: 978-3866480131

Erster Satz:
"Das Folgende ist alles, was Saba Hafezi von dem Tag in Erinnerung hat, an dem ihre Mutter und die Zwillingsschwester für immer fortflogen, vielleicht nach Amerika, vielleicht in ein noch ferneres, noch unereichbareres Land."


 

Worum geht es:
Saba und Mahtab sind Zwillinge, Zwillinge die alles zusammen machen und die ein unsichtbares Band zu verbinden scheint, das beide fühlen und nur sie alleine verstehen können. Doch dann verschwindet Mahtab von einem Tag auf den anderen aus Sabas Leben, und mit ihr ihre Mutter. Sie ist sich sicher gesehen zu haben, wie ihre Schwester gemeinsam mit ihrer Mutter ein Flugzeug am Flughafen von Teheran besteigt, dessen Ziel die USA ist. Doch Saba und ihr Vater bleiben zurück, werden zurück gelassen im Iran, einem Land welches immer gefährlicher wird für Sabas Familie. Sie sind Christen, und jetzt kurz nach der Revolution im Iran, ist dies ein unglaublich gefährliches Geheimnis.
Deshalb ziehen die beiden in die Provinz Gilan, in ein kleines Dorf, in dem Saba nun zwischen den armen bäuerlichen Familien groß wird, und sehnt sich nur um so mehr, nach dem was Mahtab in Amerika erleben darf. Ihr bleiben nur die heimlich beschafften Musikkassetten und Zeitschriften, um sich ein solches Leben vorzustellen.
Und so beginnt sie zu erzählen: Sie erzählt den Frauen des Dorfes und ihren Freunden von angeblichen Briefen von Mahtab und was sie in den USA erlebt - um ihr eigenes Schicksal bewältigen zu können.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist nicht nur äußerlich wunderschön, nein, es hat auch eine innere Schönheit, eine Kraft, die mich beim Lesen sehr stark berührt hat. Denn diese Geschichte erzählt nur das Schicksal einiger weniger Menschen im Iran nach der Revolution und steht doch stellvertretend für das Schicksal so vieler, die ihre Freiheit für die neue Regierung aufgaben. 
Ich habe mich unglaublich wohl gefühlt beim Lesen von Sabas Leben, denn der Autorin gelingt es eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Sie erzeugt Bilder im Kopf, die einen als Leser quasi direkt in die Provinz Gilan versetzen und man kann förmlich sehen und fühlen was Saba sieht und fühlt. Der Schreibstil ist einfach wundervoll, wenn auch nicht der einfachste so dass man sich schon seine Zeit nehmen muss, um das Buch in Gänze erfassen zu können. 
Und nebenbei, während des Lesen, kriecht so langsam die brutale Realität in die Geschichte.Anfänglich ist es noch das große Mitleid das man für Saba hat, die so alleine ist, doch dann überkommt einen immermehr die Gänsehaut, wenn man realisiert wie sie ihren Kinderschuhen entwächst und zum einen nicht vom Geschichten erdenken abkommt, obwohl schon auf dem Weg zur Frau, und gleichzeitig was es bedeutet, erwachsen zu werden im Iran.
Außerdem konnten mich die Charaktere komplett überzeugen: Sie waren so vielschichtig gezeichnet, so detailverliebt und so real. Oft wusste man nicht, ob man Personen nun verstehen oder verurteilen soll, auf welche Seite man sich schlägt und wie man immer wieder versuchte sich zu erklären, wie Charaktere handeln.
Jedoch wurden mir viele Szenen irgendwie zu vorhersehbar, gerade gegen Ende des Buches, so dass ich dafür einen Stern abziehe. Anfangs war es noch eine ganz eigene Saba-Geschichte, doch gerade zum Ende wurde sie zu einer sehr stereotypischen Iranerzählung.

Fazit: Ich möchte diese Geschichte jedem ans Herz legen, denn sie ist so kraftvoll, mit einer so wichtigen Botschaft dass es so schade wäre, würde die Geschichte einfach untergehen. 



Samstag, 8. Juni 2013

[Rezension] Mohsin Hamid - Der Fundamentalist der keiner sein wollte

Klappentext:
Lahore. In einem Café sitzen sich ein mitteilsamer Pakistani und ein zurückhaltender Amerikaner gegenüber. Als langsam die Nacht über die Stadt hereinbricht, enthüllt der Pakistani immer mehr Details seiner Lebensgeschichte, und allmählich ahnt man das Drama, das sich zwischen den beiden Männern anbahnt.

Verlag: Heyne | Seiten: 192 | Preis: 8,95€ | Genre: Drama, Schicksal | Spielt in: Pakistan, Lahore | Erscheinungsdatum: August 2008 | Originaltitel: The Reluctant Fundamentalist | ISBN: 978-3453405721

Erster Satz:
"Entschuldigen Sie, Sir, kann ich Ihnen behilflich sein?"


Worum geht es:
Changez hat das geschafft, wo von heute viele junge Menschen träumen: Durch Intelligenz und Fleiß konnte er eines der begehrten Stipendien für Auslandsstudenten an der Princeton University, einer der Top Eliteuniversitäten Amerikas, ergattern und lebt nun seinen amerikanischen Traum. Dank hervorrangender Noten steht ihm die Welt offen und schon bald kann er einen Job an Land ziehen, der wie auf ihn zugeschnitten zu sein scheint und ihm ein weitgehend sorgenfreies Leben ermöglicht. Und auch die junge Frau, Erica, die er kennen lernt trägt einen großen Teil zu seinem scheinbar so perfekten Leben in den USA bei.
Doch der 11.09.2011 verändert Changez' Leben. 
Der American Way Of Life gerät ins Wanken. Er beginnt nachzudenken über sein Leben hier und das was er verlassen hat - und wie die Zukunft für ihn weitergehen soll, in einem Land das Menschen wie ihm nun so feindlich gegenüber steht.

Meine Meinung: 
Der 11. September ist ein Datum, der sich vermutlich jedem von uns ins Gedächtnis gebrannt hat, und der auch unsere Einstellung in mancherlei Hinsicht -obwohl Deutschland als Land nicht direkt betroffen war - geändert hat. Wie fair die jetzigen Ansichten sind, lässt sich an anderer Stelle diskutieren, aber ich lege großen Wert darauf, Konfliktpotential diesen Ausmaßes für mich auch immer von 2 Seiten zu beleuchten.
Was ich bei dieser Geschichte ganz besonders fand, auch ganz besonders wichtig, ist dass sie eben nicht aus der Sicht eines direkt Betroffenen geschildert wird, sondern von dem Blickwinkel eines jungen Mannes, der in Amerika sein Glück gefunden zu haben scheint, und dessen Leben so stark durch das Attentat beeinflusst wird, nur aus dem Grund dass er der jetzt verhassten Ethnie angehört. 
Dabei unterstütze ich natürlich nicht alle Aussagen die er trifft, aber das Buch ist mit einer so speziellen Stärke geschrieben, dass ich wenige Bücher kennen die mich so beeindruckt haben - ohne großes auf die Tränendrüse drücken. 
Auch die ungewöhnlich tragische Liebesgeschichte zwischen Erica und Changez finde ich nicht unpassend. Sie gibt dem Buch eine persönliche Note, und gibt tiefe Einblicke in das Leben von dem jungen Mann.
Wie viel eigene Erfahrungen des Autors in dem Buch stecken ist reine Spekulation, viele Lebensabschnitte überlagern sich, und dennoch - fiktiv hin oder her - ist es eine ebenso wichtige wie gute Geschichte, die man gelesen haben sollte, sofern man sich für dieses Thema interessieren kann.



Dienstag, 30. Oktober 2012

[Rezension] Julia Franck - Die Mittagsfrau

Klappentext:
Eine idyllische Kindheit in der Lausitz am Vorabend des ersten Weltkriegs, das Berlin der goldenen Zwanziger, die große Liebe: So könnte das Glück klingen, denkt Helene. Aber steht ihr die Welt wirklich offen? Helene glaubt unerschütterlich daran, folgt ihren Träumen und lebt ihre Gefühle - auch gegen die Konventionen einer zunehmend unerbittlichen Zeit. Dann folgt der zweite große Krieg, Hoffnungen, Einsamkeit - und die Erkenntnis, dass alles verloren gehen kann. Julia Franck erzählt in ihrem großen neuen Roman ein Leben, das in die Mühlen eines furchtbaren Jahrhunderts gerät, und die Geschichte einer faszinierenden Frau.

Verlag: Fischer | Seiten: 432 | Format: Hardcover | Preis: 19,95€ | Genre: Historischer Roman, Drama | ISBN: 978-3100226006

Erster Satz: 
"Auf dem Fensterbrett stand eine Möwe, sie schrie, es klang, als habe sie die Ostsee im Hals, hoch, die Schaumkronen ihrer Wellen, spitz, die Farbe des Himmels, ihr Ruf verhallte über dem Königsplatz, still war es da, wo jetzt das Theater in Trümmern lag."

 

Worum geht es:

Einen Zug von Stettin nach Berlin zu erwischen, ist schwer, fast unmöglich. Doch nach Wochen des erfolglosen Hoffens, gelingt es Alice sich und ihren Sohn in den Zug zu bringen. Umgestiegen werden muss nach einiger Zeit, an einem Bahnhof, doch an eben diesem verschwindet Alice, und Peter bleibt alleine zurück.
30 Jahre zuvor wachsen in einem kleinen Haus in Bautzen die Schwestern Helene und Martha auf. Der Vater ist im Krieg, die Mutter psychisch krank und eigentlich nur eine Belastung für die jungen Mädchen. Doch als sie von ihrer bis dato unbekannten Tante Fanny eingeladen werden, ihr Leben in Berlin fortzuführen, in einem eleganten, großen Haus, mit der Möglichkeit als Krankenschwestern zu arbeiten, besteigen sie den nächsten Zug, und lassen Bautzen hinter sich.


Meine Meinung:

Über die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg findet man ja Bücher wie Sand am Meer. Dies sind meistens die Opfer, seltener die Täter, die die Protagonisten in den Romanen sind, oft mit einem schier unvorstellbaren Schicksal, oder Erfahrungen die wir uns gar nicht vorstellen können.
Davon weicht dieser Roman auf jeden Fall ab. Helene und Alice leben ein Leben, wie es wohl viele zu dieser Zeit gabe, zwischen Zuversicht, Hoffnung und dem puren Kampf ums Überleben. Eben ein "ganz normales Schicksal". In vielen Rezensionen wurde aber genau dies dem Buch vorgeworfen, dass es eben nur ein ziemlich geläufiges Leben schildere. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich sehr erschüttert bin, über Aussagen wie diese. 

Mal davon abgesehen, dass das Buch fiktional ist, finde ich es einfach unverschämt so sagen, ein Leben dass nicht von Grausamkeiten sondergleichen geprägt ist, sei nicht erzählenswert, oder gar langweilig. Dabei möchte ich aber zustimmen, dass es zeitweise eine Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten ist, die der Spannung und dem Lesefluss nicht wirklich zuträglich sind. Dennoch hat es mich gefesselt, zu erfahren wie die Alice und Helene ihr Leben meistern, wie ihnen immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, wie sie handeln.

Was mich jedoch viel mehr gestört hat, war das quasi nicht Vorhandensein von Emotionen in diesem Buch. Einzig bei Peter hatte ich das Gefühl, dass er überhaupt etwas fühlen kann. Helene, Martha und Leontine sind so unsympathische Personen, so rational und kalt, dass es nicht mehr nach Abwehrmechanismus aussieht, diese Zeit zu überstehen, sondern einfach von der Autorin konstruiert wirkt.

Auch der Schreibstil ist nicht wirklich gängig. Alleine wenn man sich den ersten Satz durchliest, erkennt man, dass es Frau Franck offensichtlich gefällt, einen Satz so zu verschachteln, dass man am Ende des Satzes, nicht mehr weiß, wie er begonnen hat. Anführungszeichen bei wörtlicher Rede sucht man eben so vergebens, wie manch grammtikalische Regeln. 

Fazit: Es ist ein Buch, das spaltet, dass zeigt ob man tatsächlich nur an Gräueltaten interessiert ist, oder sich auch mit den alltäglichen Sorgen dieser Zeit befassen kann und will. Es ist kein spannungsgeladenes Buch, aber definitiv faszinierend.




Donnerstag, 19. Januar 2012

Emma Donoghue - Raum

Klappentext
 Auch seinen fünften Geburtstag feiert Jack in Raum. Raum hat eine immer verschlossene Tür, ein  Oberlicht und ist zwölf Quadratmeter groß. Dort lebt der Kleine mit seiner Mutter. Dort wurde er auch  geboren. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es doch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen …

Das Buch ist im Pieper Verlag erschienen, hat 409 Seiten und kostet 19,99€ als Hardcover
Das Buch könnt ihr z.B. *hier* bei Amazon kaufen 

  

Worum geht es:
Stell dir vor, deine ganze Welt ist 15qm groß. Stell dir vor, du kennst nur 2 Personen. Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt, heißt Jack, und weißt nicht, dass es noch eine Welt außerhalb von Raum gibt. Alles was es sonst noch gibt, das was man im Fernseher sieht, ist nicht echt. Es ist eben nur Fernseher. Das ist ja wohl ganz klar. Tiere sind Fernseher, Spielzeug ist Fernseher, Kinder sind Fernseher. Nur Jack, und Ma und Old Nick, die sind in echt. 
Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt, und bist plötzlich nicht mehr in Raum.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist so packend, traurig und beängstigend, dass ich es in nicht einmal 24h durchgelesen habe, es weggelegt habe, und nicht mehr schlafen konnte. Weil alles, an das ich denken konnte war "Wie viele gibt es noch, in Raum?".

Ersteinmal, bevor ich noch mal kurz auf meine Meinung eingehe, möchte ich aber was sagen. Ich habe jetzt schon viele Rezensionen zu diesem Buch gesehen und gelesen, und eine Sache war dabei, die oft zu "Punktabzug" oder schlechteren Kritiken führte. Bemängelt wurde regelmäßig der Sprachstil: "Zu kindisch", "keine Artikel, dadurch wird das lesen erschwert" etc. Ich persönlich denke aber, dass das ganz genau so gewollt ist, und kein Ausdruck eines kindlichem Sprachniveaus ist. Viel mehr kam es bei mir so an, das "Raum, Zudeck und Schrank" Freunde, Vertraute für Jack waren, und genauso spricht er eben auch über sie. Ich spreche meine Freunde auch ganz selten mit "Die Mama", "der Schatz" an. Das hat dem Buch irgendwie sowas trauriges gegeben, teilweise konnte ich es gar nicht richtig ertragen, was die beiden dort durchmachen.

Generell war die ganze Situation so beklemmend, ich bin ernsthaft einmal gucken gegangen ob meine Tür noch einwandfrei funktioniert, weil diese Enge die Jack gewohnt ist, seine Mutter aber gequält so so greifbar ist. 

Ich verrate nicht zu viel, der Klappentext sagt es ja ohnehin schon, gelingt den beiden dann eben die Flucht, und obwohl man weiß dass es für Sharon, also Jacks Ma, die Erlösung ist, sieht man auch die Panik und Abgrenzung von Jack, von dieser Welt da draußen.

Ihr seht, das Buch hat mich wirklich sehr berührt.


Samstag, 7. Januar 2012

Rachel Klein - The Moth Diaries, Die Sehnsucht der Falter

Klappentext:

Wenn das Unerklärliche geschieht, wem kannst du glauben? Als in Rebeccas Internat eine Schülerin vom Dach in den Tod stürzt, breitet sich die Angst aus. Ihre Freundin Lucy zieht sich immer mehr aus der Wirklichkeit zurück. Hat die rätselhafte Ernessa mit alldem zu tun, die neu auf die Schule gekommen ist und um die sich dunkle Gerüchte ranken? Rebecca wird immer verstörter. Realität und Phantasie verschwimmen, und eine schreckliche Wahrheit kommt ans Licht – steht sie in ihrem Tagebuch?

Das Buch ist im FJB Fischer Jugendbuch Verlag erschienen, hat 312 Seiten und kostet 14,95€
Das Buch könnt ihr z.B. *hier* bei Amazon kaufen 

 

Worum geht es:
Rebecca ist 16 Jahre alt, und inzwischen schon das dritte Jahr an ihrer Schule als Internatsschülerin. Sie liebt die Atmosphäre dort, lenkt sie sie doch von dem Selbstmord ihres Vaters ab. Das Leben könnte dieses Jahr besonders schön werden, hat sie doch endlich ein Zimmer neben Lucy ihrer besten Freundin, bekommen. Aber die neue Schülerin Ernessa benimmt sich sehr merkwürdig, und nimmt immer mehr Besitz von Lucy.

Meine Meinung:

Anfangs fand ich das Buch wirklich klasse. Die Atmosphäre der Schule hat mir unglaublich gut gefallen und auch die Probleme von Rebecca waren sehr authentisch. Sie tat mir unheimlich Leid wie sie nach und nach feststellen musste, dass sich ihre Freunde von ihr abwenden, und keiner außer ihr Ernessa merkwürdig findet. Alles in ihr sträubt sich die Situation zu akzeptieren, aber es ist einfach nicht möglich dagegen anzukommen. 
Doch dann fing das Buch an nach und nach skurril und völlig abgedreht zu werden. Sie wurde völlig paranoid und ich als Leser konnte nicht mehr unterscheiden was denn nun Realität und was ihrer Phantasie entsprungen ist.  Das hat mich mit zunehmender Länge des Buchs immer mehr genervt.

Ich kann jetzt nicht einmal sagen, ob es ein Buch über die Psychose eines Mädchens, ein Fantasybuch (wer es gelesen hat, weiß was ich meine) oder ein Drama ist. Außerdem wurde bis auf den Klappentext nicht einmal ihr Name erwähnt, und auch andere Charaktereigenschaften werden geklärt. Rebecca kommt also nur als das eifersüchtige, paranoide Mädchen rüber.

Auch das Ende ist nicht wirklich befriedigend. Da hilft auch das fiktive Nach- und Vorwort nicht bei der Klärung der noch offenen Fragen.



Vielen Dank an den Fischer Verlag
für dieses Rezensionsexemplar