Klappentext:
Eine idyllische Kindheit in der Lausitz am Vorabend des ersten
Weltkriegs, das Berlin der goldenen Zwanziger, die große Liebe: So
könnte das Glück klingen, denkt Helene. Aber steht ihr die Welt wirklich
offen? Helene glaubt unerschütterlich daran, folgt ihren Träumen und
lebt ihre Gefühle - auch gegen die Konventionen einer zunehmend
unerbittlichen Zeit. Dann folgt der zweite große Krieg, Hoffnungen,
Einsamkeit - und die Erkenntnis, dass alles verloren gehen kann. Julia
Franck erzählt in ihrem großen neuen Roman ein Leben, das in die Mühlen
eines furchtbaren Jahrhunderts gerät, und die Geschichte einer
faszinierenden Frau.
Verlag: Fischer | Seiten: 432 | Format: Hardcover | Preis: 19,95€ | Genre: Historischer Roman, Drama | ISBN: 978-3100226006
Erster Satz:
"Auf dem Fensterbrett stand eine Möwe, sie schrie, es klang, als habe sie die Ostsee im Hals, hoch, die Schaumkronen ihrer Wellen, spitz, die Farbe des Himmels, ihr Ruf verhallte über dem Königsplatz, still war es da, wo jetzt das Theater in Trümmern lag."
Worum geht es:
30 Jahre zuvor wachsen in einem kleinen Haus in Bautzen die Schwestern Helene und Martha auf. Der Vater ist im Krieg, die Mutter psychisch krank und eigentlich nur eine Belastung für die jungen Mädchen. Doch als sie von ihrer bis dato unbekannten Tante Fanny eingeladen werden, ihr Leben in Berlin fortzuführen, in einem eleganten, großen Haus, mit der Möglichkeit als Krankenschwestern zu arbeiten, besteigen sie den nächsten Zug, und lassen Bautzen hinter sich.
Meine Meinung:
Über die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg findet man ja Bücher wie Sand am Meer. Dies sind meistens die Opfer, seltener die Täter, die die Protagonisten in den Romanen sind, oft mit einem schier unvorstellbaren Schicksal, oder Erfahrungen die wir uns gar nicht vorstellen können.
Davon weicht dieser Roman auf jeden Fall ab. Helene und Alice leben ein Leben, wie es wohl viele zu dieser Zeit gabe, zwischen Zuversicht, Hoffnung und dem puren Kampf ums Überleben. Eben ein "ganz normales Schicksal". In vielen Rezensionen wurde aber genau dies dem Buch vorgeworfen, dass es eben nur ein ziemlich geläufiges Leben schildere. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich sehr erschüttert bin, über Aussagen wie diese.
Mal davon abgesehen, dass das Buch fiktional ist, finde ich es einfach unverschämt so sagen, ein Leben dass nicht von Grausamkeiten sondergleichen geprägt ist, sei nicht erzählenswert, oder gar langweilig. Dabei möchte ich aber zustimmen, dass es zeitweise eine Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten ist, die der Spannung und dem Lesefluss nicht wirklich zuträglich sind. Dennoch hat es mich gefesselt, zu erfahren wie die Alice und Helene ihr Leben meistern, wie ihnen immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, wie sie handeln.
Auch der Schreibstil ist nicht wirklich gängig. Alleine wenn man sich den ersten Satz durchliest, erkennt man, dass es Frau Franck offensichtlich gefällt, einen Satz so zu verschachteln, dass man am Ende des Satzes, nicht mehr weiß, wie er begonnen hat. Anführungszeichen bei wörtlicher Rede sucht man eben so vergebens, wie manch grammtikalische Regeln.
Fazit: Es ist ein Buch, das spaltet, dass zeigt ob man tatsächlich nur an Gräueltaten interessiert ist, oder sich auch mit den alltäglichen Sorgen dieser Zeit befassen kann und will. Es ist kein spannungsgeladenes Buch, aber definitiv faszinierend.

Ich würde das Buch jetzt gern lesen, weil es zu Beginn anscheinend in Bautzen spielt. Faszinierender Gedanke für mich. Aaaaaaber der Schreibstil schreckt mich doch etwas ab :(
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