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Montag, 5. November 2012

[Rezension] Tommy Jaud - Millionär

Klappentext:
»Ein Drittel der Menschheit ist bekloppt. Manchmal ist es auch die Hälfte, das hängt vom Wetter ab. Unsinn? Vielleicht erklärt mir dann ja mal jemand, warum fast alle Fußgänger bei den ersten Regentropfen sofort ein unfassbar blödes Gesicht machen und die Schultern hochziehen. Glauben sie im Ernst, sie würden durch eine dämliche Grimasse auch nur einen einzigen Tropfen weniger Regen abkriegen? Das ist eine rhetorische Frage mit einer sehr, sehr traurigen Antwort: Sie glauben es.« Simon nörgelt, Simon nervt aber Simon verbessert die Welt. Glaubt er. Außerdem braucht der inzwischen arbeitslose Vollidiot mal eben 1 Million Euro, um eine nervtötende Nachbarin loszuwerden. In seiner Not entwickelt Simon eine derart abgefahrene Geschäftsidee, dass die Chancen hierfür gar nicht so schlecht stehen ...

Verlag: Scherz | Preis: 13,90€ | Seiten: 320 | Format: Taschenbuch | Genre: Humor | ISBN: 978-3596174751
Ihr könnt das Buch zum Beispiel *hier* bei Amazon kaufen.

Erster Satz:
"Für alle, die beim Jogging auch ständig überholt werden." 



Worum geht es:

Simon Peters ist arbeitslos, wohnt auf 51qm, verteilt auf 2 Zimmer, isst zum Mittag das "Harz4-Menü" in der Eckkneipe, schaut sich am liebsten Dokus an, und verbringt seine Tage damit, Beschwerde-Mails an Firmen zu schreiben. Macht ja sonst keiner außer ihm. Alles könnte so einfach sein, wäre da nicht die neue Mieterein Johanna, die in die chice Penthousewohnung über ihm gezogen ist, und ihm nun täglich durch ihre pure Anwesenheit ihre Oberschichtenattitude unter die Nase reibt. Und als wäre das nicht genug, stöckelt sie den ganzen Tag durch die Wohnung, spielt mitten in der Nacht Wii, und unterhält sich in unaushaltbaren Tonlagen.
Bleibt nur eine Lösung: Simon muss das Haus für läppische 1.000.000 € kaufen. 


Meine Meinung: 

Ich brauchte den Klappentext nicht einmal zu Ende lesen, da stand für mich schon fest, dass ich es lesen will. Ich liebe diese Art von Humor, dieses aufmerksam machen auf Tatsachen, die aus einer anderen Perspektive betrachtet einfach nur unfassbar komisch sind. Und da mir Tommy Jauds Schreibstil schon in seinen beiden vorherigen Romanen über Simon Peters super gefallen hat, stand ein Nicht-Lesen auch nicht zur Debatte. 

Der Anfang auf den ersten Seiten ist auch wirklich super lustig, aber so mit den Seiten 30-40 brach das ganze plötzlich ab, und Simon ging mir einfach nur noch extrem auf die Nerven. Das war kein putziges nerven mehr, sondern artete schon in totale Antipathie aus. Ich war ein bisschen erschrocken, und habe schon das schlimmste angenommen, aber ungefähr ab der Hälfte des Buches, kuriert er sich wieder ein bisschen, und das Buch nimmt gewohnte, lusitge Züge an. Wegen diesen 100 Seiten ziehe ich aber einen Stern ab.

Die Handlung ist natürlich sehr unrealisitsch, und auch die Entscheidungen die Simon trifft sind so in Wirklichkeit eher selten, aaaaber genau das ist es ja, was man lesen will und erwarten sollte, wenn man Tommy Jauds Bücher liest. Sein Humor ist einfach so schön trocken und unglaublich schwarz, dass ich manches Mal wirklich lachen musste beim Lesen. Sei es nun bei seinen etlichen Beschwerdeanrufen oder bei der Schilderung des Seminars. Herrlich! 
 

   

Montag, 13. Februar 2012

[Rezension] S.J. Watson - Ich. darf. nicht. schlafen.

Kurzbeschreibung:
Ohne Erinnerung sind wir nichts. Stell dir vor, du verlierst sie immer wieder, sobald du einschläfst. Dein Name, deine Identität, die Menschen, die du liebst alles über Nacht ausradiert. Es gibt nur eine Person, der du vertraust. Aber erzählt sie dir die ganze Wahrheit?
Als Christine aufwacht, ist sie verstört: Das Schlafzimmer ist fremd, und neben ihr im Bett liegt ein unbekannter älterer Typ. Sie kann sich an nichts erinnern. Schockiert muss sie feststellen, dass sie nicht Anfang zwanzig ist, wie sie denkt sondern 47, verheiratet und seit einem Unfall vor vielen Jahren in einer Amnesie gefangen. Jede Nacht vergisst sie alles, was gewesen ist. Sie ist völlig angewiesen auf ihren Mann Ben, der sich immer um sie gekümmert hat. Doch dann findet Christine ein Tagebuch. Es ist in ihrer Handschrift geschrieben und was darin steht, ist mehr als beunruhigend. Was ist wirklich mit ihr passiert? Wem kann sie trauen, wenn sie sich nicht einmal auf sich selbst verlassen kann? 

Das Buch ist im August 2011 im Scherz Verlag erschienen,  hat 464 Seiten und kostet als broschierte Ausgabe 14,95€
Das Buch könnt ihr z.B. *hier* bei Amazon kaufen 

 

Worum geht es:
Jeden morgen ist es das gleiche: Christine wacht auf, neben einem ihr fremden Mann, geht ins Bad und erschrickt über die "alte" Frau im Spiegel. Das kann sie nicht sein, sie ist Anfang 20, und die Frau die ihr da entgegen guckt ist 47. Hat ihr Leben gelebt, ohne eine Erinnerung daran zu haben. Denn bei einem Unfall verlor sie ihr Gedächtnis und vergisst mit dem Einschlafen ihr Leben, jeden Tag aufs Neue.
Als sie sich entschließt einen Arzt einzuschalten, warum sie es ihrem Mann Ben nicht sagt weiß sie auch nicht so recht, empfiehlt ihr dieser Tagebuch zu schreiben. Und plötzlich hat die Erinnerungen, an die vergangene Tage- sie kann sich ein Leben aufbauen. Doch was dann zu Tage tritt ist mehr als beunruhigend. Offensichtlich wird ihr die Wahrheit systematisch vorenthalten, doch warum?

Meine Meinung:
Ich war von Anfang an mitten drin in diesem Buch, von der ersten Seite an. 
Stellt euch einmal vor ihr wacht auf, und es ist einfach alles fremd. Oder stellt euch vor, ihr wacht auf und die Person neben euch bricht zusammen, weil ihr alles fremd ist. Tag für Tag für Tag. Es ist dabei auf keinen Fall so komisch wie man das zum Beispiel aus "50 erste Dates" kennt, sondern eine Tragödie die einfach kein Ende finden kann, und Christine ist jeden Tag aufs neue zutiefst erschüttert darüber wie es ihr geht.
Erst mit dem Tagebuch beginnt sie zu leben, aber ob sie dabei glücklich ist ist die andere Frage. 

Anfangs hatte ich befürchtet das etliche Logikfehler in dem Buch stecken könnten, aber selbst an die Kleinigkeiten hat der Autor gedacht. Das fängt schon mit der Zeit an, die Christine mit fortschreitender Zeit für das Lesen ihrer Notizen benötigt, und endet damit dass sie teilweise nicht unterscheiden kann zwischen dem an das sie sich tatsächlich erinnern kann und dem was sie nur gelesen hat. Was sie aus Erinnerungen kennt und was sie sich zusammenspinnt in der Hoffnung Erinnerungen zu haben. 

Was ich aber merkwürdig fand, ich konnte mir Christine rein optisch nicht vorstellen, glaube sie wurde auch nicht beschrieben. Deshalb war es immer wieder so ein "Achja- Erlebnis", wenn wieder geschrieben wurde dass sie 47 ist, und nicht Anfang 30 wie in meiner Vorstellung.

Das Ende ist auch ganz fantastisch, und ich wäre da so von alleine nicht drauf gekommen. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen.