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Freitag, 31. Januar 2014

Karel G. van Loon - Die Unsichtbaren

Klappentext:
Min Thein arbeitet als Rechtsanwalt unter der rigiden Militärdiktatur in Birma und wird oft mit dem Schicksal politischer Gefangener konfrontiert. Als seine Frau schwanger wird, beschließt er, daß sein Kind eine bessere Zukunft verdient. Auf der Flucht aus der Heimat verliert er alles, was ihm lieb und teuer ist - ein erschütternder Roman, der den Leser an exotische Schauplätze entführt.  

Verlag: Aufbau | Seiten: 286 | Preis: 7,95€ | Spielt in: Birma (Myanmar) | Genre: Schicksal | Originaltitel: De Onzichtbaren | Erscheinungsdatum: Mai 2006 | ISBN: 978-3746622354

Erster Satz:  
"Komm, nimm mich am Arm und führ mich fort von hier, aus dem Halbdunkel meiner Hütte hinaus in das bleiche Morgenlicht dort draußen, dann werde ich dir eine Welt zeigen, die ich noch nie mit eigenen Augen gesehen habe, die aber dennoch ebenso vertraut ist wie die Stadt, in der ich aufgewachsen bin."


Worum geht es:
Min Thein muss früh im Leben erfahren, dass das Leben eben nicht immer gerecht ist. Schon als Kind kommt er mit dem Tod, und der emotionalen Distanz seiner Eltern in Kontakt und lernt wohl oder übel damit umzugehen. Doch erschwerend zu diesem persönlichen Verlust, kommt der Ort hinzu in dem er aufwächst: Birma, die ehemalige englische Kolonie. Ein Land das vom Freiheitskrieg zerrüttet und von den politischen Strukturen geschwächt ist. Ein Land in dem Angst, Gewalt, Willkür und Zensur an der Tagesordnung sind. Ein Land, in dem die eigene Meinung vertuscht werden muss, um sich selbst keine Steine in den Weg zu legen.
Dort wächst Min Thein auf, dort lernt er eine Frau kennen die ihn schwer beeindruckt und dort lernt er eine andere Frau kennen, die er heiraten wird. Er wird Anwalt, gerät in den Fokus der Obrigkeit und entschließt sich letztendlich zu fliehen. Auch auf die Gefahr hin, diese Flucht vielleicht nicht zu überleben.

Meine Meinung:
Leider werden Bücher wie dieses viel zu selten gelesen. Sie werden von den Massen von Thrillern, Jugendbüchern und Fantasyromanen in den Hintergrund gedrängt, obwohl ihr Inhalt ebenso vielseitig ist, wie der anderer Bücher aus dem Unterhaltungsgenre. 
Über solche Themen wird einfach zu wenig gesprochen, und auch ich die ich mich viel mit Gesellschaftskritik und Weltgeschehen beschäftige, hätte auf Anhieb absolut nichts über die Zustände in Birma sagen können. Umso erschrockener war ich nach dem Lesen dieses Buches, wie die Geschichte dieses Landes so an mir vorbei gehen konnte. 
Das Buch hat mich wirklich tief bewegt und das nicht nur wegen der etlichen wunderschönen Sätze und Lebensweisheiten, Anekdoten aus dem Buddhismus und der Toleranz die die Menschen in diesem Buch ausleben, sondern auch wegen dem "willkürlich ausgewählten" Einzelschicksal von diesem Mann, der mit seiner Geschichte das Leid eines ganzen Landes repräsentiert. Es sind die kleinen Dinge, die einen zum Nachdenken anregen. 
Teilweise zieht es sich, wiederholt sich oder ließ mich mit den Gedanken abschweifen, weshalb ich dem Buch "nur" 4 Sterne gebe. Dennoch, ich empfehle das Buch jedem, der mal über seinen Tellerrand gucken möchte, denn das Leben das wir führen ist sowas von nicht selbstverständlich für Millionen von Menschen auf diesem Planeten. 




Sonntag, 17. November 2013

Richard Paul Evans - Magie der Weihnacht

Klappentext:
Mark Smart kommt die festliche Zeit vor wie ein Albtraum: Seine Mutter ist bei einem schrecklichen Autounfall gestorben, seine Zukunftspläne sind dahin, und seine Freundin hat ihn ohne mit der Wimper zu zucken verlassen. Als er dann noch in einer verschneiten Novembernacht mit dem Wagen liegen bleibt, ist er kurz davor, die Nerven zu verlieren. Er steigt aus, um Hilfe zu finden, und ahnt nicht, dass er schon bald selbst für eine junge Frau zum Weihnachtsengel werden wird. In einem kleinen Café in der Nähe wartet eine verwunschene Geschichte auf Mark, die auch für ihn das Glück birgt: den wiedergefundenen Glauben an sich selbst und die Liebe seines Lebens ... 

Verlag: Ehrenwirth | Seiten: 256 | Preis: nur noch gebraucht erhältlich | Genre: Weihnachten, Schicksal | Spielt in: USA, Salt Lake City / Utah | Originaltitel: Finding Noel | Erscheinungsdatum: Oktober 2009 | ISBN: 978-3404164127

Erster Satz:
"Als ich noch ein Junge war, erzählte meine Mutter mir, jeder Mensch trete aus einem bestimmten Grund in unser Leben."



Worum geht es:
Für Mark könnte es momentan nicht mehr schlimmer kommen: Das Stipendium für sein Studium wurde gestrichen, so dass er den Campus und sein altes Leben verlassen muss. Aus Scham teilt er seiner Familie von diesem großen Einschnitt nichts mit. Doch dann passiert das Unfassbare: Marks Mutter kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben, und da niemand seine neue Anschrift kennt, erfährt er von der Tragödie erst Tage nach der Beerdigung seiner geliebten Mum. Doch dann scheint das Schicksal wieder etwas gut machen zu wollen. Mark trifft Macy, ein junges Mädchen, die als Kellnerin in der Stadt arbeitet. Auch ihr Leben verlief alles andere als rosig, und so beginnen die beiden einander zu stützen, in dieser schweren Zeit.

Meine Meinung:
Ich muss zugeben, dass ich anfänglich etwas "schockiert" war darüber, wie traurig diese Weihnachtsgeschichte los ging, und wie viele schlimme Schicksalsschläge Mark und Macy ertragen müssen. Denn wenn ich ein Weihnachtsbuch lese, will ich eigentlich dass es mir warm ums Herz wird, und ich mich richtig fallen lassen kann, um was schönes zu erleben. Stattdessen aber habe ich so viel geweint beim Lesen wie schon lange nicht mehr. So unglaublich traurig war die Geschichte, so so unglaublich viele berührende Szenen gab es, die mich immer wieder zum Weinen gebracht haben.
Aber, nachdem der erste "Schreck" überwunden war, habe ich mich voll und ganz auf die Geschichte einlassen können und war so tief drinnen, dass ich jede freie Minute gelesen habe.
Die Story an sich ist sicherlich nichts "neues" überragendes, und gab es so oder so ähnlich auch schon etliche Male, aber die Geschichte ist so wahnsinnig schön, so gefühlvoll, so tiefgründig. Man fiebert absolut mit, drückt während des ganzen Lesens über die Daumen dass doch bitte, bitte alles gut werden wird, und ist richtig erschrocken, wenn etwas nicht so läuft wie es soll, oder wie ungerecht die Welt sein kann.
Ich habe jede Seite dieser doch sehr traurigen Geschichte genossen, und werde das Buch mit ganz großer Sicherheit wieder lesen. Es passt zu Weihnachten, passt auch zu anderen Jahreszeiten, und ist einfach eine rundum wunderschöne, anrührende Geschichte!


Dienstag, 29. Oktober 2013

Jason F. Wright - Das Weihnachtsglas

Klappentext:
Ausgerechnet an Heiligabend räumen Diebe Hope Jensens Wohnung aus. Die junge Journalistin ist ohnehin am Boden zerstört, weil erst vor Kurzem ihre Adoptivmutter gestorben ist. Doch dann erhält sie ein geheimnisvolles anonymes Geschenk. Sie ist wild entschlossen, den edlen Spender ausfindig zu machen. Dabei erfährt sie von einer wunderbaren Weihnachtstradition – und löst unverhofft das Geheimnis ihrer Herkunft.

Verlag: Heyne | Seiten: 144 | Preis: 8,00€ | Genre: Weihnachten, Schicksal | Originaltitel: Christmas Jars | Spielt in: USA, Oakleigh Hill | Erscheinungsdatum: Oktober 2009 | ISBN: 978-3453407442

Erster Satz:
"Louise Jensen saß im Chuck's Chicken 'n' Biscuits am U.S. Highway 4 allein vor ihrem halben Hähnchen und leckte sich gerade das Fett von den Fingern, als sie plötzlich vom Tisch nebenan ein leises Wimmern hörte."





Worum geht es:

Hope Jensen hat ihren Vornamen nicht von ungefähr. An Heiligabend vor vielen Jahren tauchte sie in einer Raststätte auf, ein kleiner warm eingewickelter Säugling, zurückgelassen von der leiblichen Mutter um den Kind eine bessere Zukunft zu ermöglichen, und fiel so ihrer Ziehmutter in die Arme, die dem Baby den Namen Hope gab. Doch ein Schicksalsschlag trennt die beiden Jahre später. Und obwohl Hope ein Mensch ist, der sich durchbeißt um seine Träume zu verwirklichen, ist auch sie von weiteren Schicksalsschlägen nicht befreit. Ausgerechnet als Weihnachten bricht jemand in ihre Wohnung ein, und raubt ihr nicht nur materielle Dinge sondern auch das Gefühl von Sicherheit - doch auch ein anderer Unbekannter hat an diesem Abend seine Finger im Spiel. Plötzlich taucht vor Hopes Tür ein Glas voller Münzen auf, ein Weihnachtsglas und Hope beginnt dem Geheimnis auf die Spur zu gehen.

Meine Meinung:

Von diesem Buch habe ich schon so so viel gutes gehört. Wann immer ich den Wunsch geäußert habe, mal wieder ein Weihnachtsbuch zu lesen, wurde dieses mir nahegelegt und dieses Jahr habe ich es dann endlich gekauft. Und nun muss ich zugeben: Es war eine Schande so lange mit dem Lesen gewartet zu haben. Ab sofort werde auch ich jedem der fragt, dieses Buch ans Herz legen, denn schon jetzt zählt es zu meinen absoluten Favoriten unter den Weihnachtsbüchern. Denn zum einen zeigt einen das Buch eine wundervolle Tradition und zum anderen hat es diesen richtigen, herzerwärmenden Zauber, den ich bei einem Weihnachtsbuch einfach erwarte. Es geht ans Herz, ist gefühlvoll und trotzdem kein "auf- die- Tränendrüse- Drücker" mit einer tollen Moral am Ende der Geschichte.
Die Personen in dem Buch sind vielleicht nicht alle die uuuuunbedingt realistischsten, denn es gibt quasi NUR gute Menschen in diesem Buch, aber das wird beim Lesen ganz und gar nebensächlich.
Viel mehr möchte ich gar nicht zu dem Buch schreiben, aus Angst der Geschichte zu viel vorweg zu nehmen. Aber ich kann definitiv sagen, dass sich jede Minute des Lesens bei diesem Buch lohnt, und man es ganz sicher nicht so schnell vergessen wird :)


Samstag, 12. Oktober 2013

[Rezi] Natasha Solomons - Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand

Klappentext:
In dem Moment, als Jack Rosenblum 1937 in Harwich von Bord geht, fasst er einen Entschluss: Als deutscher Jude, der mit seiner Frau aus Berlin fliehen konnte, möchte er so schnell wie möglich ein echter Engländer werden. Und so erstellt er eine Liste: einen leicht verständlichen Führer durch die Sitten und Gebräuche Englands. Fünfzehn Jahre später hat Jack viel erreicht. Nur einen Punkt auf seiner Liste konnte er noch nicht abhaken: Er ist noch nicht Mitglied in einem englischen Golfclub. Und da ihn niemand aufnehmen will, beschließt er, selbst einen Golfplatz zu bauen. Also schleift er seine Frau Sarah in das Herz der englischen Countryside, nach Dorset. Doch hier, im Land der Borstenschweine, Glockenblumen und des Apfelweins, scheint die schwierigste Aufgabe noch vor ihnen zu liegen ...

Verlag: Kindler | Seiten: 384 | Preis: 19,95€ | Genre: Drama, Schicksal | Spielt in: Großbritannien, Dorset | Originaltitel: Mr. Rosenblum's List | Erscheinungsdatum: September 2010 | ISBN: 978-3463405780

Erster Satz:
"Am Abend und in der Nacht ist es bewölkt und trüb, mit gelegentlichen Schauern." 



Worum geht es:

In Deutschland naht der Krieg, und so beschließen Jacob und seine Frau Sarah ins britische Exil zu gehen, um dem drohenden Unheil zu entgehen. Um auch ja alles richtig zu machen, legt sich Jacob - nun Jack - eine Liste an, auf welcher er alles aufschreibt was ein guter Brite zu tun und zu lassen hat, wie man sich am besten anpasst und wie man vor allem eins tut: Nicht aufzufallen.
Das Glück ist ihm hold, und schon nach wenigen Jahren in London hat es Jack zu einem erfolgreichen Geschäftsmann gebracht, der alles hat, wovon andere träumen: Eine Tochter, die sich gut entwickelt und von den nicht britisch und nicht jüdischen Kindern nicht mehr zu unterscheiden ist, ein schönes Haus, ein teures Auto und eine gut angepasste Lebensweise. Nur eins fehlt ihm jetzt noch zu seinem perfekten Glück. Jack will um alles in der Welt Mitglied in einem Goldclub werden, doch "die Quoten sind erfüllt" und auch auf Biegen und Brechen schafft er es nicht angenommen zu werden. Und so entschließt sich Jack, seinen eigenen Golfplatz zu bauen, in Dorset, Südengland. 

Meine Meinung:

Nachdem ich vor einiger Zeit "Wie die Liebe zu Elise kam" gelesen habe, war ich total gespannt auf dieses Buch, denn der Schreibstil in diesem anderen Buch gefiel mir damals unheimlich gut, und auch die Geschichte war anrührend und wunderschön. Also habe ich mir jetzt Mr. Rosenblums Geschichte gekauft, und mich voller Vorfreude ans Lesen gemacht. 
Die Story geht auch super toll los, man erfährt viel über das Leben von Jack und Sarah im "davor" und jetzt im "danach", verfolgt Episodenhaft den unglaublichen Aufstieg von Jack mit seiner Teppichfabrik und das Leben dass sich der geflohenen Familie dadurch bietet. Aber nichts ist diesem Mann genug, und so zieht er eben aufs Land, reißt eben seine Familie aus ihrer gewohnten Umgebung, und verschleudert halt sein Geld für eine Sache, die er meiner Meinung nach nur aus gekränktem Stolz verwirklichen will. Anfangs fand ich ihn noch ganz putzig, diesen Jack, der unbedingt alles richtig machen will, aber je weiter das Buch fortschreitet, desto schrecklicher finde ich ihn. Jack ist nicht mutig oder Erfolgsorientiert, wie uns das Buch teilweise weiß machen will, sondern ein fürchterlicher Egomane, dem das Glück und Wohlergehen seiner Mitmenschen, insbesondere seiner Frau nicht nur nicht wichtig ist, sonder es komplett ignoriert. Sarah stürzt ins bodenlose Unglück, und Jack übersieht das gekonnt, nur um noch das letzte Rest an Geld in einen Golfplatz zu investieren, der zum Scheitern verurteilt scheint.
Gegen Ende des Buches vermittelt die Geschichte einem, dass alles besser wird - aber ich konnte bis zum Schluss nicht mehr mit dieser egoistischen, selbstherrlichen Person warm werden. Normalerweise bin ich niemand, der Bücher weniger gerne mag, nur weil ich mir die Protagonisten nicht zu 100% gefallen, aber in diesem Fall war es doch so.
Dennoch ist der Schreibstil wieder wunderschön, die Wortwahl und sprachliche Gestaltung super schön, und erschafft vor den Augen die Szenerie so Detailgetreu, dass man sich fast schon wundern könnte, dass man das Gras nicht riechen und die Vögel nicht singen hören kann.
Was mich zuletzt noch sehr verwundert, ist die Einschätzung von Paul Torday auf der Rückseite des Buches. "Absolut witzig" bezeichnet er die Geschichte; Offensichtlich haben wir beide völlig verschiedene Vorstellungen von Humor, denn in meinen Augen ist die Geschichte alles, aber nicht witzig?! Lachen oder kichern musste ich an keiner einzigen Stelle...


Samstag, 5. Oktober 2013

[Rezension] Khaled Hosseini - Traumsammler

Klappentext:
Endlich ist der Autor der internationalen Bestseller »Drachenläufer« und »Tausend strahlende Sonnen« wieder da. Millionen Leser haben auf seinen neuen Roman gewartet: In »Traumsammler« erzählt Khaled Hosseini die bewegende Geschichte zweier Geschwister aus einem kleinen afghanischen Dorf. Pari ist drei Jahre alt, ihr Bruder Abdullah zehn, als der Vater sie auf einem Fußmarsch quer durch die Wüste nach Kabul bringt. Doch am Ende der Reise wartet nicht das Paradies, sondern die herzzerreißende Trennung der beiden Geschwister, die ihr Leben für immer verändern wird.Ein großer Roman, der uns einmal um die ganze Welt führt und in seiner emotionalen Intensität und Erzählkunst neue Maßstäbe setzt. Fesselnder, reicher, persönlicher als je zuvor.

Verlag: Fischer | Preis: 19,99€ | Seiten: 448 | Genre: Schicksal | Spielt in: Afghanistan | Originaltitel: And the mountains echoed | Erscheinungsdatum: September 2013 | ISBN: 978-3100329103

Erster Satz:
"Ihr wollt eine Geschichte hören?"




Worum geht es:
Abdullah liebt seine kleine Schwester Pari über alles, dieses kleine Mädchen das ihre Mutter nie kennenlernen konnte und das nichts mehr auf der Welt liebt als ihren Bruder und sich so für Federn begeistern kann, die Abdullah ihr immer wieder besorgt.
Doch Abdullahs und Paris Vater ist arm, sehr arm, und so geht er mit dem Bruder seiner neuen Frau einen Handel ein: Eben dieser Schwager ist Diener im Hause reicher, weltoffener Afghanen in Kabul und weiß um den größten Wunsch seiner Herrin: Ein eigenes Kind. Ein Mädchen.
Für Pari ist das die Chance auf ein Leben in Wohlstand und Bildung, doch für die Geschwister bedeutet dies das Ende ihrer so innigen Beziehung.
Das Leben aller Beteiligten geht weiter, muss weiter gehen, und so erzählt Khaled Hosseini jedes Schicksal der Involvierten, ihre täglichen Dramen und die Schicksale die sie erleiden müssen, ehe sich Jahre später das Blatt zu wenden scheint. 

 Meine Meinung:
Seit Monaten habe ich mich schon auf dieses Buch gefreut und konnte es kaum noch abwarten. Beinahe wollte ich mir schon die englische Ausgabe kaufen, aber obwohl mein Englisch nach dem Auslandsaufenthalt natürlich sehr gut ist, habe ich befürchtet Kleinigkeiten seines wundervollen Ausdrucks zu verpassen und habe so brav auf den deutschen Erscheinungstermin gewartet. 
Als es dann endlich bei mir ankam, musste ich es sofort lesen, denn seine beiden bisherigen Bücher haben mich schlicht weg einfach vom Hocker gerissen. Ich liebe es, wie Khaled Hosseini ein Afghanistan zeichnet, dass so wunderschön und so real und eben teilweise auch sehr schrecklich zur gleichen Zeit ist. Man hat beim Lesen das Gefühl, das "wahre" Afghanistan kennen zu lernen.
Doch in diesem Buch ist dies leider nicht wirklich der Fall. Große Teile der Geschichte spielen nicht in Afghanistan, tangieren es nicht einmal, sondern handeln in Amerika, Frankreich oder Griechenland. Natürlich auch schön, aber nicht das was ich erwartet habe. 
Es wird die Geschichte jedes Einzelnen erzählt, der im Leben von Abdullah und Pari eine mehr oder minder wichtige Rolle spielte - eine gute Idee an sich, aber mir persönlich hat dieses Konzept leider überhaupt nicht zugesagt. Mich interessiert es ganz einfach nicht, wie der Arzt seine Kindheit in Griechenland verbringt, oder wie Paris Ziehmutter in Frankreich immer mehr "abstürzt". Klar, es trägt zur Handlung bei, ermüdet aber auch, bis sich am Ende des Buches dann erst alle Fäden irgendwann wieder zu einer Kordel zusammen spinnen. 
Mir ging es dabei leider  viel zu wenig um Abdullah und Pari an sich. 
Dennoch ist die Geschichte, wie man es von Khaled Hosseini gewöhnt ist, traumhaft schön und reißt einen mit, ob man nun will oder nicht. Das liegt an seinem wundervollen Schreibstil und an der Kraft der Worte, die er benutzt. 
Alles in allem ist es bestimmt nicht sein stärkstes Buch, aber ein sehr sehr lesenswertes allemal.



Dienstag, 3. September 2013

[Rezension] Mathias Malzieu - Metamorphose am Rande des Himmels

Klappentext:
Ein phantastisches Märchen über die Überwindung des Todes durch die Verwandlungskraft der Liebe.
Tom Cloudman, Hobby - Stuntman mit Leidenschaft fürs Fliegen, ist unheilbar erkrankt. Doch den Traum vom Fliegen gibt er nicht auf. Nachts schleicht er sich aufs Krankenhausdach und begegnet dort Endorphina, einer geheimnisvollen Frau, die Federn trägt und fliegen kann. Sie macht Tom einen einzigartigen Vorschlag um ihn von seiner tödlichen Krankheit zu befreien...

Verlag: carl's books | Seiten: 142 | Preis: 12,99€ | Genre: Fantasy, Liebe, Schicksal | Spielt in: nicht genau gesagt | Originaltitel: Metamorphose en bord du ciel | Erscheinungsdatum: August 2013 | ISBN: 978-3570585207

Erster Satz:
"Vögel werden im Himmel beerdigt."



Worum geht es: 
Viel mehr als der Klappentext bereits verät möchte auch ich nicht sagen, da jedes Wort dieser nur 140 Seiten langen Geschichte zu viel vorne weg nehmen könnte, aber nur so viel: Tom Cloudman liebt es im Rampenlicht zu stehen und braucht den Applaus der Menschen wie die Luft zum Atmen. So stürzt er sich von hohen Dächern, fährt auf Rollen unfahrbare Strecken und zieht sich einen Knochenbruch nach dem nächsten zu. Schon bald darauf erwacht er im Krankenhaus. Doch nicht etwa wegen einer gebrochenen Rippe, sondern wegen einer tödlichen Krankeheit: Krebs. Doch im Gegensatz zu seinen Mitpatienten - ausgenommen der kleine Victor - findet sich Tom damit nicht ab.

Meine Meinung:
Dieses kleine Buch gibt einem so viel: Nicht nur eine kleine unterhaltsame Geschichte, die vom Leben und übers Leben erzählt, sondern auch eine Geschichte die davon erzählt wie wichtig es ist eine Träume nicht aufzugeben, wie wiedrig die Umstände auch sein möchten, die betont wie wichtig es ist zu hoffen, zu leben und sich nicht aufzugeben. Alles spricht eigentlich gegen Tom, und doch schafft er es durch Fantasie, durch Lebensfreude und die Kraft der Hoffnung sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. 
Was dabei wie immer besonders positiv heraussticht ist die Sprache dieser Geschichte. Schon bei "Die Mechanik des Herzens" zeigt Mathias Malzieu das und wie er mit Worten umgehen kann, und auch hier vermisst man diesen poetischen, kraftvoll und bildererzeugenden Schreibstil nicht. Allein der Sprache wegen lohnt es sich schon diese Geschichte zu lesen, die natürlich nicht ganz realitätsnah ist, sonder gesprenkelt mit einem Hauch Fantasie und Träumen. 

Mittwoch, 24. Juli 2013

[Rezension] Dina Nayeri - Ein Teelöffel Land und Meer

Klappentext:
Saba ist elf Jahre alt, als zwei einschneidende Ereignisse ihr Leben verändern. Die Islamische Revolution zwingt Sabas wohlhabende christliche Familie dazu, Teheran zu verlassen und sich, fern von den prüfenden Blicken der Mullahs, auf ihre Ländereien in der Gilan-Provinz zurückzuziehen. Kurz darauf verschwinden ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab spurlos. Ihr Vater und die Nachbarn im Dorf behaupten - Mahtab sei bei einem nächtlichen Bad im Kaspischen Meer ertrunken und die Mutter sei bei dem Versuch - den Iran zu verlassen, festgenommen worden. Doch Saba glaubt an eine ganz andere Geschichte: Immer wieder erzählt sie ihrer besten Freundin Ponneh und dem Jungen Reza, den sie liebt, Episoden aus dem filmreifen Leben, das die beiden Vermissten inzwischen in den USA führen.
Als Saba erwachsen wird, muss sie sich jedoch immer drängenderen Fragen stellen: Was ist Wahrheit und was ist Lüge? Darf Liebe ein Grund sein, sich selbst zu verleugnen? Und wann ist es an der Zeit, eigene Entscheidungen zu treffen und sein Schicksal in die Hand zu nehmen?

Verlag: mare | Seiten: 522 | Preis: 22,00€ | Genre: Drama, Schicksal | Spielt in: Iran, Gilanregion | Originaltitel: A Teaspoon of Earth and Sea | Erscheinungsdatum: Juli 2013 | ISBN: 978-3866480131

Erster Satz:
"Das Folgende ist alles, was Saba Hafezi von dem Tag in Erinnerung hat, an dem ihre Mutter und die Zwillingsschwester für immer fortflogen, vielleicht nach Amerika, vielleicht in ein noch ferneres, noch unereichbareres Land."


 

Worum geht es:
Saba und Mahtab sind Zwillinge, Zwillinge die alles zusammen machen und die ein unsichtbares Band zu verbinden scheint, das beide fühlen und nur sie alleine verstehen können. Doch dann verschwindet Mahtab von einem Tag auf den anderen aus Sabas Leben, und mit ihr ihre Mutter. Sie ist sich sicher gesehen zu haben, wie ihre Schwester gemeinsam mit ihrer Mutter ein Flugzeug am Flughafen von Teheran besteigt, dessen Ziel die USA ist. Doch Saba und ihr Vater bleiben zurück, werden zurück gelassen im Iran, einem Land welches immer gefährlicher wird für Sabas Familie. Sie sind Christen, und jetzt kurz nach der Revolution im Iran, ist dies ein unglaublich gefährliches Geheimnis.
Deshalb ziehen die beiden in die Provinz Gilan, in ein kleines Dorf, in dem Saba nun zwischen den armen bäuerlichen Familien groß wird, und sehnt sich nur um so mehr, nach dem was Mahtab in Amerika erleben darf. Ihr bleiben nur die heimlich beschafften Musikkassetten und Zeitschriften, um sich ein solches Leben vorzustellen.
Und so beginnt sie zu erzählen: Sie erzählt den Frauen des Dorfes und ihren Freunden von angeblichen Briefen von Mahtab und was sie in den USA erlebt - um ihr eigenes Schicksal bewältigen zu können.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist nicht nur äußerlich wunderschön, nein, es hat auch eine innere Schönheit, eine Kraft, die mich beim Lesen sehr stark berührt hat. Denn diese Geschichte erzählt nur das Schicksal einiger weniger Menschen im Iran nach der Revolution und steht doch stellvertretend für das Schicksal so vieler, die ihre Freiheit für die neue Regierung aufgaben. 
Ich habe mich unglaublich wohl gefühlt beim Lesen von Sabas Leben, denn der Autorin gelingt es eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Sie erzeugt Bilder im Kopf, die einen als Leser quasi direkt in die Provinz Gilan versetzen und man kann förmlich sehen und fühlen was Saba sieht und fühlt. Der Schreibstil ist einfach wundervoll, wenn auch nicht der einfachste so dass man sich schon seine Zeit nehmen muss, um das Buch in Gänze erfassen zu können. 
Und nebenbei, während des Lesen, kriecht so langsam die brutale Realität in die Geschichte.Anfänglich ist es noch das große Mitleid das man für Saba hat, die so alleine ist, doch dann überkommt einen immermehr die Gänsehaut, wenn man realisiert wie sie ihren Kinderschuhen entwächst und zum einen nicht vom Geschichten erdenken abkommt, obwohl schon auf dem Weg zur Frau, und gleichzeitig was es bedeutet, erwachsen zu werden im Iran.
Außerdem konnten mich die Charaktere komplett überzeugen: Sie waren so vielschichtig gezeichnet, so detailverliebt und so real. Oft wusste man nicht, ob man Personen nun verstehen oder verurteilen soll, auf welche Seite man sich schlägt und wie man immer wieder versuchte sich zu erklären, wie Charaktere handeln.
Jedoch wurden mir viele Szenen irgendwie zu vorhersehbar, gerade gegen Ende des Buches, so dass ich dafür einen Stern abziehe. Anfangs war es noch eine ganz eigene Saba-Geschichte, doch gerade zum Ende wurde sie zu einer sehr stereotypischen Iranerzählung.

Fazit: Ich möchte diese Geschichte jedem ans Herz legen, denn sie ist so kraftvoll, mit einer so wichtigen Botschaft dass es so schade wäre, würde die Geschichte einfach untergehen. 



Donnerstag, 4. Juli 2013

[Rezension] Ann Brashares - So nah und doch so fern

Klappentext:
Die Geschichte einer großen Liebe jenseits von Zeit und Raum
Nur ganz wenige Menschen verfügen über die Gabe, sich an ihre früheren Leben zu erinnern. Daniel ist einer von ihnen. Sein Gedächtnis reicht viele Jahrhunderte, viele Leben zurück – und er erinnert sich an eine junge Frau, die er einst unglücklich geliebt hat. Nach jeder Rückkehr in eine neue Existenz begibt er sich auf die Suche nach ihr, bis er im heutigen Virginia auf Lucy trifft. In ihr erkennt er seine schicksalhafte Liebe wieder. Für Lucy aber ist Daniel ein völlig Fremder, auch wenn sie sich auf unheimliche Weise zu ihm hingezogen fühlt. Und beide ahnen nicht, dass ein dunkler Schatten aus der Vergangenheit ihre gemeinsame Zukunft bedroht. Ergreifend erzählt Ann Brashares die Geschichte einer magischen Liebe, die alle Zeit und Widerstände überdauert, und eröffnet dabei einen ganz eigenen, faszinierenden Blick auf Tod und Wiedergeburt.

Verlag: carl's books | Seiten: 368 | Preis: 14,99€ | Genre: Liebe, Schicksal, Zeitreisen | Spielt in: hptsl. USA, Virginia, Charlottesville | Erscheinungsdatum: Juni 2013 | Originaltitel: My Name Is Memory | ISBN: 978-3570585177

Erster Satz:
"Ich lebe seit mehr als tausend Jahren."

 

Worum gehts:

Daniel ist 1000 Jahre alt. Ungefähr. Denn Daniel lebt schon lange. Nicht im selben Körper, aber seine Seele, die immer wieder neugeboren wird, bis sie irgendwann einmal ihren letzten Aufenthalt auf der Erde haben wird. Doch im Unterschied zu den "normalen" Menschen, deren Seelen ebenfalls wiedergeboren werden, kann Daniel sich erinnern: Er erinnert sich an seine Leben, an alle, und vor allem aber erinnert er sich an eine ganz bestimmte Frau, deren Seele ihn durch alle Leben hindurch begleitet hat. Sophia. Allerdings steckt Sophias Seele jetzt im Körper von Lucy, die nur ein normales Gedächtnis hat, und von Daniels offensiver Art sehr erschreckt wird.
Beide ziehen sich nach diesem Zwischenfall zurück und Leben ein Leben ohne den anderen, ohne einander - natürlich - nicht vergessen zu können.
Denn ihre Liebe ist stärker und besteht seit Ewigkeiten... 

Meine Meinung:

Nicht nur dass das Buchcover von diesem Roman unglaublich schön ist, auch die Geschichte ist ein ganz besonderer Schatz, der von allem abweicht das ich bisher gelesen habe. Denn es geht um Wiedergeburt, und damit um ein Thema das mich schon lange beschäftigt. Ich bin nicht wirklich spirituell, aber ich glaube daran dass - genau wie in dem Buch auch beschrieben - unsere Seelen wiedergeboren werden, und neue Leben leben dürfen, nachdem die menschliche Hülle gestorben ist.
Nur kann ich mich an meine vorherigen Leben nicht erinnern, oder vielleicht bin ich auch eine ganz neue Seele, aber Daniel hat dieses Gedächtnis und lebt damit. Jedoch nicht unbedingt glücklich, denn die Kraft dieser Liebe, die er nie richtig greifen konnte und die ihm einfach nicht gegönnt zu sein scheint, ist zu stark für ihn, um sie in Gänze fassen zu können.
Es ist einfach eine ganz besondere Geschichte, mit einer Botschaft die so kraftvoll und voller Hoffnung ist, dass ich nicht verstehen kann, wie man das Buch nicht mögen könnte. Denn auch der Schreibstil der Autorin ist einfach nur schön. Mir fällt gar kein anderes Wort ein, denn "schön" und so voller Gefühle und sprachlicher Stärke, sind die wenigsten Liebesgeschichten. Für mich ist das Buch eine wahre Entdeckung und eines der Bücher das ich vermutlich immer und immer wieder weiter empfehlen werde.
Warum ich trotzdem "nur" 4 Sterne gegeben habe liegt an den Charakteren selbst. Denn so schön die Geschichte, und auch so tragisch, der beiden auch sein mag, sind sie selbst - Lucy im Jetzt und Daniel die ganze Zeit über - einfach anstrengende Personen, die im Selbstmitleid zerfließen, die jammern und zweifeln, die sich selbst alles schlecht reden und die keinen positiven Bezug zum Leben haben. Sie sind schwach, und schwache Menschen sind selten Menschen mit denen ich gut umgehen könnte, fiktiv und real. Hinzukommt Daniels penetrante Art. Er ist davon überzeugt, dass sie Sophie - Lucy - die Liebe seines Lebens ist, und ist dafür bereit sie - Lucy - ein Stück weit zu opfern. Er ist gefangen in alten Mustern und weigert sich anzuerkennen, dass es zwar Sophias Seele ist, nicht aber Sophia. Diese ignorante und wirklich verletzend einnehmende Art gegenüber Lucy hat mich das ganze Buch über gestört.

Ansonsten ist das Buch wie gesagt ein absoluter Tipp von mir! Wundervoll geschrieben, mit einer wundervollen Geschichte, voller Gefühle und Kraft und einem unglaublich spannendem Ende. 



Montag, 24. Juni 2013

[Rezension] Lucinda Riley - Der Lavendelgarten

Klappentext:
Ein Herrenhaus in der Provence, eine adelige Familie und eine schicksalhafte Liebe in dunklen Zeiten.
Jahrelang hat Emilie de la Martinières darum gekämpft, sich eine Existenz jenseits ihrer aristokratischen Herkunft aufzubauen. Doch als ihre glamouröse, unnahbare Mutter Valérie stirbt, lastet das Erbe der Familie allein auf Emilies Schultern. Sie kehrt zurück an den Ort ihrer Kindheit, ein herrschaftliches Château in der Provence. Der Zufall spielt ihr eine Gedichtsammlung in die Hände, verfasst von ihrer Tante Sophia, deren Leben von einem düsteren Geheimnis umschattet war – einer tragischen Liebesgeschichte, die das Schicksal der de la Martinières für immer bestimmen sollte. Doch schließlich erkennt Emilie, dass es noch nicht zu spät ist, die Tür zu einer anderen Zukunft aufzustoßen …

Verlag: Goldmann | Seiten: 512 | Preis: 9,99€ | Genre: Familiengeschichte, Liebe, Schicksal | Spielt in: Frankreich, Provence, Gassin & Großbritannien, Yorkshire, Blackmoor | Originaltitel: The Light Behind The Window | Erscheinungstermin: Juni 2013 | ISBN: 978-3442477975

Erster Satz:
"Als Emilie spürte, wie der Druck auf ihre Hand nachließ, sah sie ihre Mutter an."



Worum geht es:
Nach dem Tod ihrer Mutter ist Emilie ganz auf sich allein gestellt: Ohne Geschwister und andere Angehörige der Familie Martiniéres trägt sie das Erbe ihrer Familie ganz allein, und das bedeutet nicht nur die emotionale Bürde die ihre Mutter ihr hinterlassen hat, sondern auch die Schulden und das inzwischen ziemlich heruntergewirtschaftete Chateau in der Provence. Doch Gott sei Dank lernt sie nach einiger Zeit in Gassin einen jungen Mann kennen, Sebastian, der ihr helfend zur Seite steht in dieser schweren Zeit, und schon bald zum Mittelpunkt ihres Lebens wird.
Doch nicht nur ihre Gefühle für einander verbinden sie, sondern auch zwei Familiengeschichten die sich berühren: Während der deutschen Besetzung in Frankreich lernten sich Edouard, Emilies Vater, und Constanze, Sebastians Großmutter, kennen. Die beiden verband ein Schicksal voller Dramatik, Einschränkung und ständiger Angst vor dem Feind. 

Meine Meinung:
Nachdem ich beide bisher erschienen Bücher von Lucinda Riley gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf dieses neue Buch von ihr. Es spielt in der Provence, einem Teil der Erde der mich schon immer fasziniert hat und den ich mich unfassbar schön vorstelle. 
Aber leider war ich doch eher enttäuscht von dem Buch. Der Grund dafür? Man kann es förmlich zwischen den Zeilen lesen, wie wenig Herzblut die Autorin in die Geschichte um Emilie und Sebastian gelegt hat, und offenbar all ihre Kreativität auf die Geschichte um Constanze, Sophia und Edouard konzentriert hat. Ich war anfänglich sogar fast versucht, das Buch aus der Hand zu legen und abzubrechen, so schlecht fand ich diese Geschichte im "Heute". Sie ist flach, vorhersehbar, fuuuurchtbar konstruiert und einfach lächerlich kitschig. Absoluter Groschenroman-Stil. 
Dem gegenüber im krassen Gegensatz steht aber die Geschichte im "Damals" von 1944. Sie steckt voller unerwartete Wendungen, voller Dramatik und Emotionalität. Voller Gefühl und Kraft. Es hat großen Spaß gemacht, diese Episoden zu lesen und ich zumindest war regelrecht enttäuscht wenn wieder Teile der Geschichte aus 1999 kamen. 
Was Lucinda Riley aber beherrscht, ist eine Umgebung zu zeichnen die man fast schon selbst mit allen Sinnen erleben kann. Ich habe einen unglaublich schönen, wenn auch von Klischees belasteten :D, Eindruck von der Provence und Yorkshire erhalten, und hätte am liebsten sofort meine Koffer gepackt um selbst ein paar Tage im Chateau anwesend zu sein.

Im Endeffekt überwiegt für mich aber die Schwäche der Geschichte um Emilie und Sebastian, so dass ich dem Buch leider nur 3 Sterne geben kann. 



Samstag, 8. Juni 2013

[Rezension] Mohsin Hamid - Der Fundamentalist der keiner sein wollte

Klappentext:
Lahore. In einem Café sitzen sich ein mitteilsamer Pakistani und ein zurückhaltender Amerikaner gegenüber. Als langsam die Nacht über die Stadt hereinbricht, enthüllt der Pakistani immer mehr Details seiner Lebensgeschichte, und allmählich ahnt man das Drama, das sich zwischen den beiden Männern anbahnt.

Verlag: Heyne | Seiten: 192 | Preis: 8,95€ | Genre: Drama, Schicksal | Spielt in: Pakistan, Lahore | Erscheinungsdatum: August 2008 | Originaltitel: The Reluctant Fundamentalist | ISBN: 978-3453405721

Erster Satz:
"Entschuldigen Sie, Sir, kann ich Ihnen behilflich sein?"


Worum geht es:
Changez hat das geschafft, wo von heute viele junge Menschen träumen: Durch Intelligenz und Fleiß konnte er eines der begehrten Stipendien für Auslandsstudenten an der Princeton University, einer der Top Eliteuniversitäten Amerikas, ergattern und lebt nun seinen amerikanischen Traum. Dank hervorrangender Noten steht ihm die Welt offen und schon bald kann er einen Job an Land ziehen, der wie auf ihn zugeschnitten zu sein scheint und ihm ein weitgehend sorgenfreies Leben ermöglicht. Und auch die junge Frau, Erica, die er kennen lernt trägt einen großen Teil zu seinem scheinbar so perfekten Leben in den USA bei.
Doch der 11.09.2011 verändert Changez' Leben. 
Der American Way Of Life gerät ins Wanken. Er beginnt nachzudenken über sein Leben hier und das was er verlassen hat - und wie die Zukunft für ihn weitergehen soll, in einem Land das Menschen wie ihm nun so feindlich gegenüber steht.

Meine Meinung: 
Der 11. September ist ein Datum, der sich vermutlich jedem von uns ins Gedächtnis gebrannt hat, und der auch unsere Einstellung in mancherlei Hinsicht -obwohl Deutschland als Land nicht direkt betroffen war - geändert hat. Wie fair die jetzigen Ansichten sind, lässt sich an anderer Stelle diskutieren, aber ich lege großen Wert darauf, Konfliktpotential diesen Ausmaßes für mich auch immer von 2 Seiten zu beleuchten.
Was ich bei dieser Geschichte ganz besonders fand, auch ganz besonders wichtig, ist dass sie eben nicht aus der Sicht eines direkt Betroffenen geschildert wird, sondern von dem Blickwinkel eines jungen Mannes, der in Amerika sein Glück gefunden zu haben scheint, und dessen Leben so stark durch das Attentat beeinflusst wird, nur aus dem Grund dass er der jetzt verhassten Ethnie angehört. 
Dabei unterstütze ich natürlich nicht alle Aussagen die er trifft, aber das Buch ist mit einer so speziellen Stärke geschrieben, dass ich wenige Bücher kennen die mich so beeindruckt haben - ohne großes auf die Tränendrüse drücken. 
Auch die ungewöhnlich tragische Liebesgeschichte zwischen Erica und Changez finde ich nicht unpassend. Sie gibt dem Buch eine persönliche Note, und gibt tiefe Einblicke in das Leben von dem jungen Mann.
Wie viel eigene Erfahrungen des Autors in dem Buch stecken ist reine Spekulation, viele Lebensabschnitte überlagern sich, und dennoch - fiktiv hin oder her - ist es eine ebenso wichtige wie gute Geschichte, die man gelesen haben sollte, sofern man sich für dieses Thema interessieren kann.



Montag, 8. April 2013

[Rezension] Richard Mason - Die geheimen Talente des Piet Barol

Klappentext:
Piet Barol kommt 1907 als Hauslehrer nach Amsterdam. Mittellos, aber gesegnet mit außergewöhnlich gutem Aussehen, scharfem Verstand und unwiderstehlichem Charme erobert er die Familie des reichen Hoteliers Vermeulen-Sickerts im Sturm. Vor allem Jacobina, die Frau des Hausherrn, entdeckt schon bald Piets Talente der besonderen Art. Sein eigentliches Ziel aber ist es, in Amerika sein Glück zu machen – und das stellt den ehrgeizigen jungen Mann vor manche unerwartete Herausforderung.

Verlag: C. Bertelsmann | Format: Hardcover | Preis: 19,99€ | Seiten: 320 | Genre: Schicksal, Erotik, Historischer Roman | Spielt in: Niederlande, Amsterdam | Originaltitel: History Of A Pleasure Seeker | Erscheinungstermin: März 2013 | ISBN: 978-3570101360

Erster Satz:
"Die Abendteuer seiner Jugend hatten Piet Barol gelehrt, dass es die meisten Frauen und viele Männer ihn über die Maßen attraktiv fanden."




Worum geht es:

Aus der Leidener Provinz wagt Piet Barol den Schritt in sein eigenes Leben. Gesegnet mit einem guten Empfehlungsschreiben, passablen Musik- und Sprachkenntnissen und einem umwerfenden Aussehen, bewirbt er sich mit großen Hoffnungen auf eine Hauslehrerstelle bei der in Amsterdam hoch geschätzten und schwerreichen Familie Vermeulen-Sickerts. Mit der richtigen Portion Charme und Dreistigkeit kann er den Job schnell ergattern, und genießt ein Leben voller Luxus- trotz seiner eigentlichen Angestellenstellung. Zu verdanken hat er das der Hausherrin, Jacobina, die schnell großen Gefallen an dem jungen Mann findet.
Doch Piets Pläne sind andere. Er will nicht in Amsterdam versauern. Sein Ziel ist es, die Welt zu entdecken.


Meine Meinung:

Um ehrlich zu sein, bin ich nicht sehr neutral an das Buch heran gegangen. Angezogen von dem schönen Cover und dem einigermaßen interessant klingenden Rückentext, habe ich eher eine seichte, mittelmäßige Lektüre erwartet, die sich schnell lesen lässt, die man aber ebenso schnell wieder vergisst.
Doch dank des unglaublich schönen Schreibstils, der plätschernden Sprache und der Ausgestaltung der Szenen, Menschen und Orte war ich schnell gefangen in der Welt von Piet Barol im anfangenden 20. Jahrhundert. Dank dieser bildhaften aber nicht zu ausschmückenden Sprache, sieht man sich bald selbst als stillen Beobachter, in den Zigarrenrauch verhangenen Räumen der Oberschicht von Amsterdam, umgeben von Luxus und Anstand. 

Allerdings fängt Piet sehr schnell an, die Familie "aufzumischen". Und trotz der dezenten Hinweise im Klappentext, habe ich nicht mit den erotischen Elementen des Buches gerechnet. Piet ist ein Womanizer, der es versteht, die Frauen mit seinem tollen Aussehen und seiner charmanten Art zu beeindrucken - und ich wäre ihm sicherlich auch verfallen - und zeigt vor allem schnell großes Interesse an der Frau seines Hausherren. Die erotischen Momente zwischen ihnen sind schon sehr heiß, aber in keinster Weise ordinär oder unangebracht. Viel eher unterstreichen sie noch die Glaubhaftigkeit von Piet in seiner Rolle als heimlicher Liebhaber. 

Auch sonst lässt die Spannung nicht zu wünschen übrig. Natürlich ist es kein Actiongeladener Psychothriller, aber dennoch kam bei mir zu keiner Zeit Langeweile auf. Mir großem Interesse hab ich den Werdegang von Piet verfolgt, und war immer ein bisschen neidisch, nicht selbst an den Schauplätzen dabei sein zu können. Es liegt während des ganzen Lesens ein ganz besonderer Zauber in der Luft, der mich wieder daran erinnert hat, wieso ich mich so gerne von historischen Romanen gefangen lassen nehme.



Sonntag, 24. März 2013

[Rezension] Agnes Hammer - Ich blogg dich weg

Klappentext:
Julie ist schön, beliebt und kann wundervoll singen. Zusammen mit ihrer Band will sie am Schulfest auftreten. Doch wie aus dem Nichts erhält Julie gemeine E-Mails, Beschimpfungen, Drohungen. Dann taucht im Internet ein gefaktes Facebook-Profil auf, das Julie als arrogante Zicke darstellt. Im Nu lästern Klassenkameraden und wildfremde User online über sie. Julie verzweifelt. Wer tut ihr das an? Als sie auch noch die Band verlassen soll und die Drohungen in Gewalt umschlagen, eskaliert die Situation.

Verlag: Loewe | Seiten: 160 | Preis: 5,95€ | Format: Taschenbuch | Genre: Kinder-/Jugendbuch, Schicksal | empfohlenes Alter: 12-15 | Erscheinungsdatum: März 2013 | Spielt in: Deutschland | ISBN: 978-3785577066
Ihr könnt das Buch zum Beispiel *hier* bei Amazon kaufen

Erster Satz: 
"Nacht, Wald und alles ist dunkel."



Worum geht es:

Der Klappentext des Buches beschreibt eigentlich schon ziemlich genau, worum es in der Geschichte geht. Julie führt ein Leben um das sie viele ihrer Mitschüler beneiden. Sie ist gut in der Schule, sieht hübsch aus, der Magnet vieler Jungs und singt zudem auch noch in der regional bekannten Schulband.
Doch genau das ist ihr Problem, denn offensichtlich gibt es auch viele, die ihr dieses Glück nicht gönnen und schon bald tauchen im Internet zunächst anonyme Beleidigungen auf, und später sogar ein gefaktes Profil mit anzüglichen Bildern und anderen Gemeinheiten. Und schon kurz darauf, befindet sich Julie in einer Spirale aus Mobbing und Angst, und weiß sich selbst kaum noch zu helfen.


Meine Meinung:

Mobbing ist mit Sicherheit kein Phänomen, das es erst seit der Jahrtausendwende gibt. Und mit Sicherheit ist es auch kein Problem, dass nur in Schulen auftritt. Und dennoch ist das Thema "Mobbing" und dessen Konsequenzen zur Zeit aktueller denn je. Immer häufiger wird bekannt, welche katastrophalen Folgen diese Art von Psychoterror auf die Betroffenen hat, und gerade Kinder und Jugendliche wissen oft nicht damit umzugehen, und fühlen sich hilflos oder schämen sich gar dafür, was ihnen angetan wird.
Das Buch greift dieses Thema hervorragend auf, und beschreibt sehr genau und nah, wie sich "die Schlinge um Julies Hals" immer weiter zuzieht. Wie aus Empörung Angst und aus Bedrohungen psychische Gewalt wird. Wie hilflos sie ist, und wie Misstrauen ihre Freundschaften vergiftet.

Die Geschichte ist natürlich nichts neues, und auch kein Pageturner oder  gespickt mit unerwarteten Wendungen (zumindest wusste ich so ziemlich von Anfang an, wer hinter der Mobbingattacke im Internet steckt), aber ich denke dass es gerade für Kinder in der Unterstufe, also so 7. bis 10. Klasse, ein tolles Buch als Schullektüre oder auch privat ist.


Freitag, 21. Dezember 2012

[Rezension] Glenn Beck - Der Weihnachtspullover

Klappentext:
Seit Jahren bewahrt Eddie einen alten, handgestrickten Pullover auf. Das enttäuschendste Weihnachtsgeschenk seiner Kindheit - und das zärtlichste, das er je bekam. Ein Familienbuch, so kuschelig wie  feinste Wolle und die ideale Lektüre für Adventsabende bei Kerzenschein.

Verlag: Hoffmann und Campe | Seiten: 287 | Format: Hardcover | Preis: 15,00€ | Originaltitel: The Christmas Sweater | Erscheinungsdatum: September 2009 | Genre: Weihnachten | Spielt in: USA (Washington) | ISBN: 978-3455380668
Ihr könnt das Buch zum Beispiel *hier* via Amazon bestellen.

Erster Satz:
"Der Weihnachtspullover lag viele Jahre lang im obersten Fach meines Kleiderschranks."



Worum geht es:

Schon vor dem Krebstod seines Vaters wusste Eddie eigentlich tief im Inneren, dass Geld in seiner Familie knapp war, und doch keine große Rolle spielte. Denn was seinen Eltern wichtig war, und was sie Eddie immer versuchten beizubringen, war zu verstehen, dass es im Leben auf Liebe und Vertrauen ankommt, und darauf zu wissen, dass die eigene Familie einem immer Halt geben wird. Doch nachdem sein Vater gestorben ist, schafft seine Mutter es kaum, die beiden über Wasser zu halten. 
Dennoch bemüht sich Eddie das ganze Jahr über so brav und fleißig wie möglich zu sein, um seinen großen Wunsch, ein rotes Fahrrad mit Bananensattel, in Erfüllung gehen zu lassen. Am Weihnachtsmorgen jedoch findet er unter dem Tannenbaum nur ein einziges Geschenk: Einen von seiner Mutter selbst gestrickten Pullover, denn für mehr reichte ihr Geld nicht, und dieses Geschenk wirft Eddie in eine Spirale aus Verzweiflung und Wut, aus der er sich selbst kaum noch befreien kann.

Meine Meinung:

Wenn man nach einer Weihnachtsgeschichte sucht, über die man im Anschluss sagt "Sowas schönes habe ich schon lange nicht mehr gelesen.", ist man mit diesem Buch falsch beraten. Sucht man aber ein Weihnachtsbuch über das man später sagen wird "Sowas wahres und berührendes habe ich gebraucht", dann wird man mit diesem Buch einen absoluten Schatz finden. 
Diese Geschichte, von dem kleinen Jungen der so enttäuscht von diesem Pullover ist, sich so in eine Welt verrennt in der ihn niemand zu lieben scheint, und der so verzweifelt versucht gegen die anzukämpfen denen er etwas bedeutet, hat mich absolut zu Tränen gerührt. Natürlich ist es nicht schön, wie er seine Familie zu bestrafen versucht, aber ich kann verstehen was er fühlt, und trotzdem musste ich weinen angesichts der Gefühle, die es in seiner Mutter hervorruft. 
Man lernt viel darüber, was es bedeutet sein Glück wiederzufinden, sich nicht in Kummer zu vergraben und wie wichtig es ist, eine helfende Hand anzunehmen. Es ist nicht unbedingt ein Buch über das Weihnachtsfest an sich, aber es ist ein wundervoller Roman über das Leben, der perfekt in die Weihnachtszeit passt.




Freitag, 31. August 2012

[Rezension] Khaled Hosseini - Drachenläufer

Klappentext:
Afghanistan 1975: In Kabul wächst der zwölfjährige Amir auf, der mit Hilfe seines Freundes Hassan unbedingt einen Wettbewerb im Drachensteigen gewinnen will. Hassans Vater ist der Diener von Amirs Vater, doch trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft verbindet die beiden Jungen eine innige Freundschaft. Am Ende des erfolgreichen Wettkampfs wird die Freundschaft von Amir auf schreckliche Weise verraten. Diese Tat verändert das Leben beider dramatisch, ihre Wege trennen sich. Viele Jahre später kehrt der erwachsene Amir aus dem Ausland in seine Heimatstadt Kabul zurück, um seine Schuld zu tilgen. Der Leser wird Zeuge der dramatischen Schicksale der beiden Jungen, ihrer Väter und Freunde, und erlebt ihre Liebe und ihre Lügen, ihre Trennung und Wiedergutmachung.

Verlag: Berlin Taschenbuch | Preis: 10,99€ | Format: Taschenbuch | Seiten: 384 | Genre: Schicksal | ISBN: 978-3833301490
Ihr könnt das Buch z.B. *hier* bei Amazon kaufen

 

Worum geht es: 

Amir und Hassan wachsen auf wie Brüder, im gleichen Haus, gestillt von der selben Amme. Und doch trennt sie ihre Herkunft. Denn Hassan und sein Vater Ali sind die Hausangestellten von Amir und dessen Vater, und obwohl Amir Hassan sehr gerne hat, vermeidet er es nicht, ihm seine Stellung und mangelnde Bildung vorzuführen. Hassan hingegen vergöttert Amir, würde alles für ihn tun und läd sämtliche Schuld auf sich, wenn Amir unerzogen war. Die beiden wachsen in Kabul auf, in den 70ern noch eine wunderschöne Stadt mit blühenden Bäumen, lachenden Kindern und vielen festen. Doch als die beiden Jungen im Alter von 12 Jahren am Drachenwettkampf teilnehmen, begeht Amir einen Fehler, den er nie wieder gut machen kann, und das Leben der beiden völlig verändert. Kurze Zeit später verändert sich Afghanistan, Amir und sein Vater fliehen, und die beiden Jungen bleiben nach wie vor getrennt. 


Meine Meinung:

Wenn man von Afghanistan hört, heute 2012, hat man automatisch die Bilder von Tot, Verletzten, Zerstörung, Angst und Gewalt im Kopf. Dass dieses Land mal eine nahezu blühende Oase war, die natürlich auch nicht frei von Problemen war, vergisst man dabei oft. Umso bewegter bin ich deshalb von den Facetten die Khaled Hosseini hier in seinem Buch beschreibt. Erzählt wird von einem Afghanistan voller Kinder, erfüllt von Lachen, wunderschönen Landschaften und Träumen und Hoffnungen. Ein Afghanistan das heute schon fast vergessen ist.

Die Beziehung die zwischen Amir und Hassan besteht hat mich tief berührt. Denn natürlich sind nicht alle Kinder gleich, nicht alle Kinder sind loyal und auf mich wirkt das ganze ziemlich glaubwürdig. Amir, das reiche Kind, spielt gerne mal seine Bildung und seine Stellung gegenüber Hassan, dem Sohn des Hausdieners, aus, neckt und ärgert ihn - manchmal über das Maß des noch erträglichen hinaus - schätzt und achtet ihn jedoch auch, als Freund und als Mensch. Hassan hingegen ist unendlich loyal und ergeben gegenüber Amir, und liebt ihn aus tiefsten Herzen, vergisst jedoch nie seine Position. 
Ich finde Hassan einen unglaublich tollen Charakter, der mir sehr ans Herz gewachsen ist, und den ich unglaublich gerne kennengelernt hätte. 

Als die Stimmung im Buch umschlägt, wird es vorhersehbar und ist sehr klischeebelastet. Aber mich stört das nicht. Es ist kein herumreiten auf Stereotypen, sondern zeigt Ansichten des Autors und verraten auch nicht zu viel vom Buch.

Ganz besonders fasziniert war ich vom Ende- das nicht so war wie ich es mir gewünscht hätte, sondern einfach nur real. 



Sonntag, 8. Juli 2012

Ein Schock: Vater unser in der Hölle, von Ulla Fröhling

Vollständiger Titel: Vater Unser in der Hölle: Durch Inzest und Missbrauch in einer satanistischen Sekte zerbrach Angelas Seele | Format: Taschenbuch | Preis: 6,00€ | Verlag: Bastei Lübbe | Seiten: 448 | ISBN: 978-3404270774 | Genre: Biographie, Schicksal
Ihr könnt das Buch z.B. *hier* bei Amazon kaufen


Ich habe jetzt sehr lange überlegt, ob und wenn ja wie ich dieses Buch rezensieren werde. Ob ich das überhaupt möchte. Ich habe mich jetzt dazu entschieden, dass ich es euch vorstellen möchte, es aber nicht "rezensieren" werde, sondern stattdessen von meinen Eindrücken berichte Denn zu einer Rezension gehört die Bewertung des Plots, der sprachlichen Gestaltung, etc. die einfach bei diesem Buch nichts zur Sache beitragen. Es hätte auch durchzogen sein können, von Rechtschreibfehlern, es wäre dadurch nicht weniger grausam gewesen.


Worum geht es: 

Angela Lenz (die Namen, Berufe und Wohnorte aller Personen wurden geändert) wird in eine Familie hinein geboren, in der sie als Tochter, als Kind, als Mädchen, als Mensch nicht mehr zählt als der Körper, den man missbrauchen, foltern und vergewaltigen kann, und als Verstand, dem man ab frühster Kindheit einbläut, niemals zu reden. Angela wird in eine Familie geboren, in der sie vom Vater bereits als Säugling vergewaltigt wird, von der Mutter seelisch und körperlich misshandelt wird, vom Vater und den "anderen Onkeln" verkauft, gefoltert, gefilmt, und schlussendlich fast zerstört wird.
Um diese Qualen ertragen zu können, spaltet sich Angelas Seele schon mit der ersten Vergewaltigung auf. Eine Persönlichkeit erträgt die Schmerzen, die andere erinnert sich nicht an diese Zeit, und ist verwundert über die Schmerzen. Im Laufe ihres Lebens und im Verlauf der Zeit als Opfer, spaltet sich ihr Verstand in weit über 100 Persönlichkeiten auf. Alle unterschiedlichsten Alters, unterschiedlichster Funktion, sogar teilweise Männer und selbst eine Persönlichkeit als Hund. Diese einzelnen "Personen" wissen teilweise von einander, können miteinander kommunizieren, oder sind völlig ahnungslos. All diese Persönlichkeiten sind wichtig, um das letzte bisschen Würde in Angela zu schützen, und ihren Geist und ihre Seele davor zu bewahren, was ein Mensch alleine nicht greifen kann. Das Krankheitsbild: MPS, Multiple Persönlichkeitsstörung. Nicht zu verwechseln mit Schizophrenie. 

Das Buch wird nun teilweise aus Angelas Sicht erzählt, aus der Sicht ihrer Therapeutin Nina Temberg, die Angela beinahe 10 Jahre behandelt, und aus Sicht der Autorin Ulla Fröhling, einer freien Journalisten, die mit vielen Beteiligten und Sachkundigen dieser Thematik sprach. 


Mein Eindruck

Nachdem ich die ersten Seiten gelesen habe, habe ich mich gefragt, was mich dazu bewogen hat, dieses Buch zu kaufen. Denn bereits nach nicht einmal 100 Seiten, habe ich überlegt das Buch zu beenden, weil ich einfach kaum ertragen konnte, was in dem Buch geschildert wird. Im Endeffekt habe ich mich dazu entschlossen, es bis zum Schluss zu Ende zu lesen, denn ich als Leser muss lediglich die Bilder ertragen, die in meinem Kopf entstehen. Angela musste das durchleben, am eigenen Körper spüren. Die Dunkelziffer der Kinder die das auch heute noch in unserem "aufgeklärten und sicheren" Europa durchleben ist vermutlich unbegreifbar hoch. Und ich finde einfach, dass ich es den Kindern und aus ihnen gewordenen Erwachsenen schuldig bin, es zu ertragen.

Obwohl ich viele, wohlgemerkt fiktive, Bücher aus dem Thrillerbereich gelesen habe, die auch nicht an Brutalität und Grausamkeit sparen, war ich auf das was mich erwartet hat nicht vorbereitet. Auch andere (Auto-)Biographien, von Opfern von Vergewaltigung etc. haben mich berührt. Keines jedoch hat mich so zurückgelassen, wie die Geschichte von Angela. Es macht mich unfassbar traurig, wütend und lässt mich hilflos und fassungslos zurück. Bis zum Lesen des Buches, konnte ich mir auch einfach nicht vorstellen, das Verbrechen dieser Art bei uns so vorkommen können, das Menschen zu dieser Gewalt an Kindern fähig sind. Jetzt denke ich eher, dass ich vorher nur gut darüber hinweggesehen habe.

Das Leben von Angela wird, wie gesagt, aus der Perspektive von ihr selbst, aber auch von ihrer Therapeutin betrachtet. Das vermittelt einen sehr tiefen Einblick in das Krankheitsbild von dieser Frau, wart teilweise Distanz zu Vorkommnissen, erklärt Sachverhalte, die auf den ersten Blick ersteinmal verwirren, stößt einen aber auch direkt und unvermittelt in die Verbrechen hinein. Einige werden sehr detailliert beschrieben, andere Missbrauchstaten werden nur oberflächlich beschrieben, denn eine genauere Beschreibung wäre nicht notwendig. Die Bilder entstehen auch von allein. 

Dennoch ist das Buch nicht nur grausam. Es ist auch das Zeugnis einer Frau, die es schaffen will ihr Leben wieder zu ordnen, es klärt auf über das Krankheitsbild MPS, es distanziert von Klischees und erklärt viel über die Arbeit mit Patienten, über die Schwierigkeiten der Anerkennung von MPS, über Sekten und über Satanismus (ohne dabei zu Verallgemeinern!).

Im Anschluss an dieses Buch hatte ich das dringende Bedürfnis, mich noch tiefer mit dem Thema zu beschäftigen, obwohl es sehr an meinem Weltbild gerüttelt hat, und ich mir sicher bin, das auch ein kleines Stück in mir zerbrochen ist, jetzt wo ich weiß, in welcher Form das Böse einfach neben uns existiert.  Deshalb habe ich im Internet recherchiert, habe mir Berichte durchgelesen, und nach Fachliteratur gesucht. Unter anderem bin ich dabei auch auf zwei Videos gestoßen, jeweils Dokumentationen über rituellen Missbrauch und MPS, die ich jedem empfehlen kann, der sich (jetzt) für das Thema interessiert. Ich möchte euch aber warnen, denn die Dokumentationen sind, obwohl sie natürlich für das Fernsehen produziert wurden (N24 und hr), sehr belastend und schockierend.


Dokumentationen:
http://www.youtube.com/watch?v=7Dd79FjOsx0&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=-PRPwAbY-Fc


Ich gebe dem Buch 5 Sterne. Nicht weil es mir gefallen hat, sondern weil ich möchte das es gelesen wird! 




Mittwoch, 20. Juni 2012

[Rezension] Stefanie Gerstenberger - Oleanderregen

Klappentext:
Als Valentina nach dem Tod ihres Vaters erfährt, dass ihre Cousine Irma in Wahrheit ihre Halbschwester ist, reist sie nach Sizilien, um sie ausfindig zu machen. Mehr als zehn Jahre haben sich die beiden nicht gesehen, zu tief verletzte es Valentina, dass ihr damaliger Freund Max sie verließ, um mit Irma nach Palermo zu gehen. Doch bei ihrer Ankunft muss Valentina erfahren, dass Irma nach einer scheinbar harmlosen Operation im Koma liegt. Während Valentina noch fürchtet, Max wieder zu begegnen, lernt sie Angelina kennen. Eine entfernte Verwandte, die ihr eine bewegende Geschichte erzählt. Von einem Jungen, der ohne Beine geboren wurde und dank der Fürsorge seiner Mutter trotz allen Unglücks die Liebe fand. Diese Geschichte ist der Schlüssel zum Geheimnis der Familie ihres Vaters, und Valentina erkennt, dass sich jetzt auch ihr Leben ändern wird …

Verlag: Diana Verlag | Format: Hardcover | Seiten: 448 | Preis: 19,99€ | Genre: Familie, Schicksal, Liebe | ISBN: 978-3453291256
Ihr könnt das Buch z.B. *hier* bei Amazon kaufen

 

Worum geht es:
Das Testament das Valentinas Vater hinterlässt, schockiert sie zutiefst. Nicht nur, dass sie mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters fertig werden muss, nein jetzt erfährt sie nur wenige Tage nach dem Ableben ihren Vaters, dass sie noch eine Schwester haben soll mit der sie sich das Erbe teilen wird. Doch die geheimnisvolle Schwester ist nicht irgendwer, sondern Irma, ihre Cousine, die nach dem Verschwinden ihrer Mutter aus Sizilien nach Deutschland kam um Valentina und ihren Papa Enzo zu unterstützen. 
Um ihren Vater in der italienischen Heimat bestatten zu können, reist Valentina nach Sizilien und lernt ihre riesig große Verwandtschaft kennen. Nur Irma fehlt. Die einzige Frau die ihr vielleicht Antworten auf die brennenden Fragen geben könnte liegt im Koma..

Meine Meinung:
Ich werde heute zu diesem Buch keine Sternbewertung abgeben, denn ich habe es jetzt auf Seite 224 abgebrochen. Es ist das erste Buch in diesem Jahr, das ich nicht zu Ende lese und dennoch möchte ich lieber gar keine Bewertung abgeben als nur 1 Stern oder dergleichen. Denn ich weiß natürlich nicht, ob es mich nicht doch noch in 50 Seiten gepackt hätte und ich schließlich eine relativ hohe Bewertung abgeben hätte. Deshalb heute nur meinen Eindruck vom Buch.

Das Cover ist natürlich unglaublich schön, und auch der Klappentext und die bisherigen guten Bewertungen auf Amazon haben mich angesprochen. Alles in allem klingt es nach einer tragischen Familiengeschichte, und auf sowas steh ich ja manchmal echt, mit einer Priese Sommerfeeling. Ich hab mir entspannte aber schöne Lesestunden mit diesem Buch erhofft, und mir gewünscht mich nach Sizilien lesen zu können.

Doch leider bin ich bis zu letzt überhaupt nicht in das Buch reingekommen. Es hat mich kein bisschen gereizt weiterzulesen, in der Bahn habe ich liebe die Leute beobachtet anstatt zu lesen - was quasi nie passiert - und hab ich dann gelesen, hat es mir keinen Spaß gemacht. Selbst für die paar 100 Seiten habe ich jetzt fast 1 Woche gebraucht, eine Zeit in der ich für gewöhnlich sonst 2 Bücher komplett lese.

Der Schreibstil ist sehr flach, irgendwie nicht wirklich ausgefeilt und sprachlich nicht wirklich anspruchsvoll. Alles Dinge über die ich hinweg sehen könnte, aber auch die Handlung nimmt sich da nichts. Ebenfalls seeehr flach, sehr vorhersehbar und teilweise so unheimlich unrealistisch positiv und kitschig, dass ich dachte "Okay, ne. Das ist jetzt aber nicht ihr Ernst." 

Vielleicht war es einfach das falsche Buch zur falschen Zeit, aber trotzdem werde ich es nicht weiterlesen, nicht jetzt und nicht später, und mich einfach nur an dem schönen Cover erfreuen.