Sonntag, 8. Juli 2012

Ein Schock: Vater unser in der Hölle, von Ulla Fröhling

Vollständiger Titel: Vater Unser in der Hölle: Durch Inzest und Missbrauch in einer satanistischen Sekte zerbrach Angelas Seele | Format: Taschenbuch | Preis: 6,00€ | Verlag: Bastei Lübbe | Seiten: 448 | ISBN: 978-3404270774 | Genre: Biographie, Schicksal
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Ich habe jetzt sehr lange überlegt, ob und wenn ja wie ich dieses Buch rezensieren werde. Ob ich das überhaupt möchte. Ich habe mich jetzt dazu entschieden, dass ich es euch vorstellen möchte, es aber nicht "rezensieren" werde, sondern stattdessen von meinen Eindrücken berichte Denn zu einer Rezension gehört die Bewertung des Plots, der sprachlichen Gestaltung, etc. die einfach bei diesem Buch nichts zur Sache beitragen. Es hätte auch durchzogen sein können, von Rechtschreibfehlern, es wäre dadurch nicht weniger grausam gewesen.


Worum geht es: 

Angela Lenz (die Namen, Berufe und Wohnorte aller Personen wurden geändert) wird in eine Familie hinein geboren, in der sie als Tochter, als Kind, als Mädchen, als Mensch nicht mehr zählt als der Körper, den man missbrauchen, foltern und vergewaltigen kann, und als Verstand, dem man ab frühster Kindheit einbläut, niemals zu reden. Angela wird in eine Familie geboren, in der sie vom Vater bereits als Säugling vergewaltigt wird, von der Mutter seelisch und körperlich misshandelt wird, vom Vater und den "anderen Onkeln" verkauft, gefoltert, gefilmt, und schlussendlich fast zerstört wird.
Um diese Qualen ertragen zu können, spaltet sich Angelas Seele schon mit der ersten Vergewaltigung auf. Eine Persönlichkeit erträgt die Schmerzen, die andere erinnert sich nicht an diese Zeit, und ist verwundert über die Schmerzen. Im Laufe ihres Lebens und im Verlauf der Zeit als Opfer, spaltet sich ihr Verstand in weit über 100 Persönlichkeiten auf. Alle unterschiedlichsten Alters, unterschiedlichster Funktion, sogar teilweise Männer und selbst eine Persönlichkeit als Hund. Diese einzelnen "Personen" wissen teilweise von einander, können miteinander kommunizieren, oder sind völlig ahnungslos. All diese Persönlichkeiten sind wichtig, um das letzte bisschen Würde in Angela zu schützen, und ihren Geist und ihre Seele davor zu bewahren, was ein Mensch alleine nicht greifen kann. Das Krankheitsbild: MPS, Multiple Persönlichkeitsstörung. Nicht zu verwechseln mit Schizophrenie. 

Das Buch wird nun teilweise aus Angelas Sicht erzählt, aus der Sicht ihrer Therapeutin Nina Temberg, die Angela beinahe 10 Jahre behandelt, und aus Sicht der Autorin Ulla Fröhling, einer freien Journalisten, die mit vielen Beteiligten und Sachkundigen dieser Thematik sprach. 


Mein Eindruck

Nachdem ich die ersten Seiten gelesen habe, habe ich mich gefragt, was mich dazu bewogen hat, dieses Buch zu kaufen. Denn bereits nach nicht einmal 100 Seiten, habe ich überlegt das Buch zu beenden, weil ich einfach kaum ertragen konnte, was in dem Buch geschildert wird. Im Endeffekt habe ich mich dazu entschlossen, es bis zum Schluss zu Ende zu lesen, denn ich als Leser muss lediglich die Bilder ertragen, die in meinem Kopf entstehen. Angela musste das durchleben, am eigenen Körper spüren. Die Dunkelziffer der Kinder die das auch heute noch in unserem "aufgeklärten und sicheren" Europa durchleben ist vermutlich unbegreifbar hoch. Und ich finde einfach, dass ich es den Kindern und aus ihnen gewordenen Erwachsenen schuldig bin, es zu ertragen.

Obwohl ich viele, wohlgemerkt fiktive, Bücher aus dem Thrillerbereich gelesen habe, die auch nicht an Brutalität und Grausamkeit sparen, war ich auf das was mich erwartet hat nicht vorbereitet. Auch andere (Auto-)Biographien, von Opfern von Vergewaltigung etc. haben mich berührt. Keines jedoch hat mich so zurückgelassen, wie die Geschichte von Angela. Es macht mich unfassbar traurig, wütend und lässt mich hilflos und fassungslos zurück. Bis zum Lesen des Buches, konnte ich mir auch einfach nicht vorstellen, das Verbrechen dieser Art bei uns so vorkommen können, das Menschen zu dieser Gewalt an Kindern fähig sind. Jetzt denke ich eher, dass ich vorher nur gut darüber hinweggesehen habe.

Das Leben von Angela wird, wie gesagt, aus der Perspektive von ihr selbst, aber auch von ihrer Therapeutin betrachtet. Das vermittelt einen sehr tiefen Einblick in das Krankheitsbild von dieser Frau, wart teilweise Distanz zu Vorkommnissen, erklärt Sachverhalte, die auf den ersten Blick ersteinmal verwirren, stößt einen aber auch direkt und unvermittelt in die Verbrechen hinein. Einige werden sehr detailliert beschrieben, andere Missbrauchstaten werden nur oberflächlich beschrieben, denn eine genauere Beschreibung wäre nicht notwendig. Die Bilder entstehen auch von allein. 

Dennoch ist das Buch nicht nur grausam. Es ist auch das Zeugnis einer Frau, die es schaffen will ihr Leben wieder zu ordnen, es klärt auf über das Krankheitsbild MPS, es distanziert von Klischees und erklärt viel über die Arbeit mit Patienten, über die Schwierigkeiten der Anerkennung von MPS, über Sekten und über Satanismus (ohne dabei zu Verallgemeinern!).

Im Anschluss an dieses Buch hatte ich das dringende Bedürfnis, mich noch tiefer mit dem Thema zu beschäftigen, obwohl es sehr an meinem Weltbild gerüttelt hat, und ich mir sicher bin, das auch ein kleines Stück in mir zerbrochen ist, jetzt wo ich weiß, in welcher Form das Böse einfach neben uns existiert.  Deshalb habe ich im Internet recherchiert, habe mir Berichte durchgelesen, und nach Fachliteratur gesucht. Unter anderem bin ich dabei auch auf zwei Videos gestoßen, jeweils Dokumentationen über rituellen Missbrauch und MPS, die ich jedem empfehlen kann, der sich (jetzt) für das Thema interessiert. Ich möchte euch aber warnen, denn die Dokumentationen sind, obwohl sie natürlich für das Fernsehen produziert wurden (N24 und hr), sehr belastend und schockierend.


Dokumentationen:
http://www.youtube.com/watch?v=7Dd79FjOsx0&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=-PRPwAbY-Fc


Ich gebe dem Buch 5 Sterne. Nicht weil es mir gefallen hat, sondern weil ich möchte das es gelesen wird! 




3 Kommentare:

  1. Ich habe gerade deinen Blog entdeckt und blättere gerade so durch.
    Auch ich hab dieses buch gelesen und habe es auch zu hause. Hier zu möchte ich aber eine empfehlung machen. Lange bevor das Thema Multiple Persönlichkeiten "öffentlich" wurde ließ sich eine Frau behandeln. und darüber gibt es auch ein Buch. Es ist glaub ich das Nr 1 buch zu dem Thema. Selbst in "Vater unser in der Hölle" wird dieses Buch erwähnt.
    Es handelt sich um "Aufschrei" von Trudi Chase. Es ist einfach ein unfaßbarer Bericht. Aber ein "gutes" Buch. Solltest du lesen falls du den "schock" von diesem hier überwunden hast

    grüße liia

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