Freitag, 13. April 2012

Natascha Kampusch - 3096 Tage

Klappentext:
Natascha Kampusch erlitt das schrecklichste Schicksal, das einem Kind zustoßen kann: Am 2. März 1998 wurde sie im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt. Ihr Peiniger, der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, hielt sie in einem Kellerverlies gefangen - 3096 Tage lang. Am 23. August 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht. Priklopil nahm sich noch am selben Tag das Leben. Jetzt spricht Natascha Kampusch zum ersten Mal offen über die Entführung, die Zeit der Gefangenschaft, ihre Beziehung zum Täter und darüber, wie es ihr gelang, der Hölle zu entkommen. 

Verlag: Ullstein | Preis: 9,99€ | Seiten: 288 | Format: Taschenbuch | ISBN: 978-3548374260 
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Worum geht es:
Viel muss ich ja dazu nicht sagen, jeder hat ihre Geschichte mitbekommen. Im Alter von 10 Jahren wird Natascha von Wolfgang Priklopil, der sie in ein nicht einmal 10m² großes Verlies tief unter seinem Haus sperrt und dort für 8 Jahre festhält. In dieser Zeit erlebt sie Erniedrigung, Misshandlung und durchlebt eine Zeit, die niemand nachfühlen kann. Nur weil sie sich mit dem Täter "arrangiert" kann sie diese Zeit überstehen und überleben. 

Meine Meinung:
Es fällt mir unheimlich schwer, dieses Buch zu rezensieren. Ich finde es steht mir einfach nicht zu, ihre Geschichte zu bewerten, deshalb seht es eher als meinen Eindruck von dem Buch und der Art und Weise wie es geschrieben ist. Nicht als ein Urteil darüber, was sie durchleben musste. Nicht als Wertung, sondern nur als persönliche Empfindung beim Lesen.

Im Gegensatz zu anderen Biographien die ich gelesen habe, und die relativ zeitnah geschahen, empfinde ich dieses Buch als wesentlich authentischer und realer. Oftmals hatte ich den Eindruck, dass die Autoren sich bei ihren Biographien als besonders stark und emotionslos beschreiben wollen. Dieses Gefühl hatte ich nicht. Dabei schreibt sie nicht unfassbar traurig, bedient sich keiner sprachlichen Mittel, die mich schluchzen lassen, sondern schildert ihre Geschichte einfach subjektiv, aus ihrer Sicht.

Vieles was in dem Buch geschrieben war, wusste ich so gar nicht. Dabei habe ich den Fall sehr intensiv verfolgt in den Nachrichten, aber vielleicht habe ich auch einfach ausgeblendet, dass das was nicht gesagt wurde trotzdem geschah. Die Brutalität, seelisch wie physisch, aber hat mich zutiefst schockiert. Natürlich hätte ich mir denken können, dass es so war - hab ich auch - aber es schwarz auf weiß zu lesen, gibt dem ganzen eine ganz andere Intensität.

Dennoch gab es ein paar Sachen, die mir nicht gefallen haben. Vieles wurde sehr sehr oft wiederholt. Teilweise sogar beinahe zitiert. Dabei rede ich nicht von irgendwelchen Gefühlen, sondern Beschreibungen oder Charakterisierung des Täters. Ganze Kapitelabschnitte ähnelten sich extrem, besonders in den ersten Jahren ihrer Gefangenschaft, während sehr die letzten Jahre und die Befreiung zu kurz kamen. 
Und ich sehe ihre Auseinandersetzung mit dem Stockholm- Syndrom auch sehr kritisch. Sie äußert sich mehrfach sehr klar, dass sie dieses Syndrom nicht hat. Doch einerseits bezweifel ich, dass sie das überhaupt beurteilen kann, und andererseits sprechen viele ihrer Sätze eben genau für dieses Syndrom. Es lässt sich nicht alles damit entschuldigen, dass sie nur so überleben konnte, denn auch das, dieses mit dem Täter nicht ins Gericht zu gehen, ist ein Indiz für das Stockholm- Syndrom.

Fazit: Alles in allem war es aber eine´sehr aufwühlendes und erschreckendes Buch. Das nicht wirklich Dinge offenbart, die man nicht ohnehin schon aus den Medien kannte, aber Natascha mehr zur Person als zum Opfer werden lassen.



4 Kommentare:

  1. Bei dem Buch bin ich mir immer noch unsicher: Lesen oder nicht?!

    Deine Rezension gefällt mir auf jeden Fall sehr gut! :)

    Liebe Grüße

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    1. Lesen! Ich fand es ziemlich interessant, was und wie sie es geschildert hat.

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  2. Für dieses Buch interessiere ich mich auch. Danke für die tolle Rezension - übrigens auch die erste Rezension über dieses Buch, die ich gut finde. Einzige Frage, die ich noch habe: Konntest du flüssig durchlesen? Es gibt ja auch die Bücher, die den Leser aus den verschiedensten Gründen stoppen lassen oder das Lesen verlangsamen. Z.B. habe ich mal ein Buch über ein Straßenkind gelesen, wo mir mehrfach die Tränen kamen oder andere Bücher, die mich so nachdenklich gemacht haben, dass ich erst mal eine Pause brauchte. Was ich sagen will, es gibt viele Gründe, den Lesefluss zu verlangsamen - es muss nicht am langweiligen oder i-wie unangenehmen Stil liegen. Andere Bücher dageen lesen sich mit einem Rutsch oder kleben nahezu in den Händen fest.
    Wäre schön, wenn du deine Antwort auch bei mir reinkopieren könnest, denn ich weiss nicht, ob ich dran denke, hier bei dir wegen dieses Buches nach der Antwort zu suchen.
    ♡ xoxo
    (◔‿◔) wieczorama

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    1. Ja es las sich schon ziemlich flüssig, eben weil sie das ganze etwas distanziert betrachtet beschreibt. Zum Schluss hin, musste ich allerdings an einigen Stellen ziemlich schlucken, und hab das Buch vorsichtshalber zugeklappt, weil ich in der Bahn nicht anfangen wollte zu heulen- das ist dann erst zu Hause passiert. Aber so die ersten drei VIertel beeinträchtigen nicht den Lesefluss.

      :)

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