Mittwoch, 13. Juni 2012

[Rezension] Susan Abulhawa - Während die Welt schlief

Klappentext:
Jenin im Blumenmonat April: Frühmorgens, bevor die Welt um sie herum erwacht, liest Amals Vater ihr aus den Werken großer Dichter vor. Es sind Momente des Friedens und der Hoffnung, die Amal ihr Leben lang im Herzen trägt — ein Leben, das im Flüchtlingslager beginnt, nach Amerika führt und dennoch stets geprägt ist vom scheinbar ausweglosen Konflikt zwischen Israel und Palästina. Über vier Generationen erzählt Susan Abulhawa die bittere Geschichte Palästinas im Verlauf des 20. Jahrhunderts — eine Geschichte über den Verlust der Heimat, eine zerrissene Familie und die immerwährende Hoffnung auf Versöhnung.

Verlag: Diana Verlag | Seiten: 432 | Format: Taschenbuch | Preis: 8,99€ | Genre: Familiengeschichte; Schicksal; Krieg | ISBN: 978-3453356627
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Worum geht es: 
Das Buch verfolgt die Lebensgeschichte gleich mehrere Generationen einer Familie die aus Palästina stammt, vertrieben wird, neue Hoffnung im Flüchtlingslager schöpft, erleben muss wie diese Hoffnungen zerschlagen werden, vertrieben werden, im Exil leben und ihre Heimat doch nie vergessen. Im Fokus steht Amal, das jüngste Kind von Dalia und Hasan, die in einem Jenin voller Träume großwächst und dann alles verliert. 

Meine Meinung:
Es hat mir schlichtweg den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich habe ein ganz anderes Buch erwartet, ein oberflächliches, vielleicht sogar teilweise "kitschiges", aber damit habe ich auf keinen Fall gerechnet. Denn so ist es in keinster Weise. Es zeigt das Leben einer arabischen Familie von 1948 an, als der Staat Israel ausgerufen werden sollte bis 2003, als man arabische Bürger in dem einen Land undwürdig behandelt und in dem anderen Land gleich tötet. 

Das schlimmste an dem Buch für mich war jedoch, dass ich dadurch vor Augen geführt bekommen habe, wie ignorant ich eigentlich durch die Weltgeschichte bisher gegangen bin. Krieg und Tote im Nahen Osten sind Nachrichten, die man inzwischen jeden Tag hört, ohne sich darüber im klaren zu sein, was da eigentlich geschieht, ohne zu hinterfragen wem das geschieht, und ganz besonders warum. Aber warum, wissen wohl die meisten inzwischen nicht mehr. Vermutlich als Vergeltung der Rache einer Rache. 

Natürlich stellt das Buch den Konflikt nur sehr einseitig dar, nämlich aus Sicht der Pälästinenser, in deren Augen die Juden die Feinde sind. Und sicherlich ist das Buch auch fiktiv, und es lässt sich darüber streiten wie real es ist, dass einer einzigen Familie so viel Leid wiederfährt. Aber Tatsache ist, dass die Menschen dort es so erleben, und kleine Kinder, Frauen und andere Zivilisten die Opfer sind, die beklagt werden, ganz gleich aus wessen Seite man nun steht.

Ich war sehr erschüttert und tief bewegt, und kann jedem nur empfehlen es unbedingt zu lesen, um sich zu informieren, sich eine Meinung zu bilden und vor allem und am wichtigsten um seinen Horizont zu erweitern, denn ich weiß, dass ich von nun an ein ganz anderen Blick auf die kurzen Nachrichtensequenzen haben werde, in denen mal wieder nebenbei die Rede von dutzenden Toten im Nahen Osten ist.


2 Kommentare:

  1. Das klingt wirklich sehr berührend.

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  2. Sehr interessant! Danke für die Vorstellung, habe es direkt mal auf meine Wunschliste gesetzt.

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